Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 7 (7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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118 No. 7 Nur so wollte er verstanden sein. Und das jüdische Volk wird daran denken müssen, allein diesem Ziel zu leben und so Herzl ein Denkmal zu setzen. Nicht Herzl haben wir zu beklagen, sondern uns. Nicht ihn, denn ich weiss kein herrlicheres Leben auf Erden als das seine, und keinen herrlicheren Tod. Wir aber bleiben trauernd zurück. Schwer nur, schwer werden wir die Freudigkeit der Arbeit wiederfinden, die uns bisher beseelte. . . . Aber es muss sein, wir müssen weiter ans Werk für die Zukunft unseres Volkes. Wenn die grosse Bewegung, die unser Volk erfasst hat, jetzt versagte, das gäbe eine Enttäuschung, von der es sich niemals wieder erholen würde. Das darf nicht geschehen. . . . Wir sind Herzls Erben, wir schreiten vorwärts in seinem Geiste, aber wir bleiben dessen eingedenk, dass uns etwas Entsetzliches geschehen ist, dass unser Vater, unser Bruder, Freund, Geliebter, unser guter Stern, unser Genius, uns hinter einer Wolke verborgen ist. Theodor Herzl und die jüdischen Turner. „Denn er war unser!" Das dürfen auch wir jüdischen Turner stolztraurigen Herzens an der Bahre des genialen Organisators des jüdisch-nationalen Willens behaupten, hat Herzl doch in wiederholten Zuschriften an unsere Redaktion seine lebhafte Freude an den Erfolgen der jüdischen Turnbewegung ausgesprochen. Mag er auch der von uns gewählten Methode der Körperpflege, dem „deutschen Turnen," infolge seiner ganzen innerlichen Veranlagung fremd gegenüber gestanden haben — denn er war ein Freund der englischen Rasenspiele und hat seine Vorliebe für diese Sportart auch in dem Roman „Altneuland'' deutlich hervorgehoben — jedenfalls brachte er unseren Bestrebungen, deren grossen Wert er klar erkannte, unendlich viel Interesse und Wohlwollen entgegen. Wie viel er von der jüdischen Turnerei hielt, das wurde uns erst in Basel so recht offenbar, wo er ungeachtet der voll besetzten Sitzungstage dennoch für die Abhaltung unseres Schauturnens Zeit zu schaffen wusste. Wie tatkräftig er dort alle unsere besonderen Wünsche unterstützte und mit welch' inniger Teilnahme er dann den Verlauf des Schauturnens verfolgt hat, das ist noch in unser aller Erinnerung. Auch nach den Tagen