Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 6 (6.1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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98 No. 5 inopportun sei, ohne zwingende Notwendigkeit einen Verein mit konfessionellem Charakter zu gründen und dadurch eine grundsätzliche Berechtigung Andersgläubiger anzuerkennen, ihrerseits gleichfalls derartige Vereine mit konfessionellem Charakter ins Leben zu rufen. Es wurde betont, dass, wer jene Intoleranz der Antisemiten bekämpfe, konsequenterweise auch gegen den hier fraglichen Verein der jüdischen Turnerschaft Front machen müsse. Von vorstehenden Erwägungen geleitet, hat alsdann das Kollegium in der aus dem oben mitgeteilten Beschluss ersichtlichen Weise gegen den genannten Verein Stellung genommen. Bei der Begründung dieses Beschlusses war man mit dem Interpellanten darüber vollkommen einverstanden, dass die idealen Bestrebungen der Mitglieder jenes Vereins um die Turnsache vollste Anerkennung verdienen, man wünschte ihnen in der Turnsache bestes Gelingen; man nahm aber — um dies nochmals hervorzuheben — gerade im Hinblick auf die anfangs erwähnten lokalen Verhältnisse an dem Aufnahme-Paragraphen und namentlich an der Bezeichnung .jüdische Turnerschaft Hannover" Anstoss, zumal es in hiesiger Stadt eine sehr grosse Anzahl Männer jüdischen Glaubens gibt, die sich zu den aktiven und passiven Mitgliedern anderer Turnvereine zählen. Übrigens sei noch erwähnt, dass hier in Hannover sonst konfessionelle Turnvereine nicht existieren, und dass mit Ausnahme des einen obenerwähnten ausserhalb der deutschen Turnerschaft stehenden Vereins — gerade der jüdische Turnverein derjenige sein würde, der mit diesem Beginnen in unserer Stadt vielleicht (!) vorbildlich wirken würde. Es ist unrichtig, dass sich das Kollegium bei seiner Beschlussfassung von einem Interesse der gesamten Judenheit Deutschlands hat leiten lassen; das Kollegium vertritt lediglich die Interessen unserer Gemeinde und hat bei seiner Stellungnahme bei dem hiesigen jüdischen Turnvereine lediglich die Interessen unserer Gemeindemitglieder ins Auge gefasst. Ich selber — der Ich als erster Vorsteher, Vorsitzender des Kollegiums — habe, als — und zwar immer nur von einer einzigen Seite — die Kompetenz des Kollegiums bestritten wurde, zu dieser Frage Stellung genommen und hervorgehoben, dass ich das Kollegium — die Vertretung der 6000 hannoverschen Juden — nicht nur für berechtigt, sondern sogar für verpflichtet erachte, alles das zu überwachen und zu prüfen, was in unseren Mauern und vor unseren Augen bezüglich dessen vorgehe, was dazu angetan sein könne, unser Ansehen und unsere guten Beziehungen zu den nichtjüdischen Mitbürgern zu beeinträchtigen. Freilich ist im Laufe der Debatte auch davon die Rede gewesen, welche nachteiligen Wirkungen die Bildung jüdischer Turnvereine auf die Strömungen innerhalb der deutschen Turnerschaft in konfessioneller Beziehung ausüben könnte, doch ist diese Erwägung für die Beschlussfassung nicht bestimmend gewesen, wie sie denn auch in dem Beschluss selbst keinen Ausdruck gefunden hat Von der vorgedachten authentischen Darstellung weichen die Berichte, welche in der jüdischen Presse Aufnahme gefunden haben, in wesentlichen Punkten ab und zwar dadurch, dass die Berichte alles das verschweigen, was bezüglich der hier besonders gearteten lokalen