Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 5 (1904)
- Issue
- 6 (6.1904)
- Date
- 1904-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4921092-5965092-5965212--1012-4923886- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
94 No. 5 Rückgrat vor den Antizionisten, als eine bemitleidenswerte Schwäche, eine traurige Halbheit. Verdient in der Tat der Verband diese Vorwürfe? Man wird derartige Fragen niemals gerecht und unbefangen beantworten, wenn man das Leben stets durch die Parteibrille betrachtet, wenn man das hier freilich nur kurze We r d e n derartiger Entschlüsse und Handlungen unberücksichtigt lässt. Man vergegenwärtige sich doch einmal die Gründungsgeschichte der jüdischen Turnvereine, aus denen heraus erst der Verband entstehen konnte! Auch hier finden wir, wie bei dem Verbände, dass der Zionismus der spiritus rector gewesen ist. Zionisten sind unstreitig die Väter der meisten jüdischen Turnvereine gewesen und dennoch haben sie, bei fast allen Vereinen, von vornherein darauf verzichtet, ihrem Kinde ein zionistisches Gewand umzuhängen. Gar nicht zu reden von denjenigen Vereinen, die trotz regelmässiger Alimentierung nicht einmal das nahe Verwandtschaftsverhältnis zu ihrem Erzeuger ahnen. Warum haben die zionistischen Gründer dieser jüdischen Turnvereine sich mit der Geltung des „bloss" nationaljüdischen Prinzips begnügt? Die Gründe für diese Zurückhaltung sind freilich nur selten öffentlich genannt worden, aber sie liegen so klar zu Tage, dass ihre Feststellung auch ohne besonderes Eingeständnis getroffen werden kann. Taktische Gründe waren für viele, für die grosse Masse Ausschlag gebend. Es war noch eine verhältnismässig kleine Schar, die die phantastisch scheinende Zionistentracht umgehängt und die deswegen genug unter dem ohrenbetäubenden Geschrei der Kreti und Pleti zu leiden hatte. Was Wunder, "wenn man dem zarten, von vielen überhaupt nicht für lebensfähig gehaltenen Turnvereinskinde diesen leicht an die Lebensnerven gehenden Lärm ersparen wollte, zumal in so manchem die Hoffnung wurzelte, der stark gewordene Jüngling werde schon von selber nach dem väterlichen Gewände greifen! Dazu kamen dann gewichtige prinzipielle Gründe. Noch umschlang der Zionismus nur eben kleinen Teil der Judenheit, noch war er, wenn auch uneingestandenermassen, Partei. Der Zionismus will das Volk, für das er arbeitet, umfassen. Er umfasst es heute noch nicht, wenn er es auch von Tag zu Tag mehr tut. Er war und ist noch immer, so bitter es auch uns Zionisten klingen mag, Part e i. Wäre es angebracht oder auch nur in grösserem Umfange möglich