Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 22 (1921)
- Issue
- 1-4 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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20 der allzu scharten Betonung des Klassenkampfes in der heutigen Sozialdemokratie. Wohl ist der Kampf gegen antisoziale Gesinnung nötig (so wie der Kampf gegen die Assimilation); aber er darf nicht das einzige Mittel seih, darf vor allem nicht von einem Kampf der Gesinnungen zu einem Kampf der Klassen herabgewürdigt werden. („Klassenkampf 'ist zum guten Teil die Grobheit dessen, der nicht überzeugen kann, weif er nicht überzeugen will''). In weit höherem Maße als die marxistische Theorie hält Brod die Damaschkesche Bodenreform, besonders in ihrer neuerdings radikaiistischen Form, für eine Reihe palästinensischer Probfeme zugänglich. Denn gerade in Palästina, wo fast alles industrielles Neuland ist, wo zahreiche der in Europa bestehenden Widerstände fortfallen, wäre es "möglch, den Boden zu sozialisieren und alles andere der Privatinitiative zu überlassen. Doch für ein Europaprogramm genügt die Bodenreform noch nicht, wenn auch die Aussicht besteht, daß sie mit zunehmender Radikalisierung dahin gelangen wird. Die erwünschte Grundlage eines jüdischen (und aTImenschficheri) Sozialismus bietet?ür Broa* "einzig und" allein das von (fem Wiener Philosophen und Techniker Joseph Popper in seinem Buch: „Die alfgemeine Nährpflicht als Lösung der sozialen Frage" entworfene, sogenannte Lynkens-Prograirom. Popper argumentiert nicht, wie die Bodenreform, mit Gerechtigkeifjsmotiven, er geht nicht, wie sie,, von der Produktion aus, sondern nur von den dringendsten Bedürfnissen des Konsumenten. "Sein einziges Ziel ist es, dafür zu sorgen, daß jedem Menschen alles, was er notwendig zupi Leben braucht,: Nahrung, Wohnung, Kleidung, ärztliche Hilfe, Hygiene und ein kulturelles Minimum, mit .unbedingter Sicherheit von der Gemeinschaft geliefert werde. Dies Minimum soll in natura in vergesellschafteter Produktion erzeugt werden, — darüber hinaus besteht freie Konkurrenzwirtschaft. (Fortsetzung folgt.) JE. JH. Lipschütz. — Vom lebendigen Hebräisch. — Jüd. Verlag, Berlin 1920. Ein Buch, das größtenteils aus Aufsätzen des Verfassers, die in verschiedenen Zeitschriften schon früher abgedruckt sind, entstanden ist. — Die ersten drei Artikel sind nur für Kenner der hebräischen Sprache geschrieben. Am Anfang schildert er den Typus und die Entwicklung diesei Sprache, ferner die S t i 1 a r t e n ihrer hervorragendsten neuzeitlicher Meister. Der zweite Bestandteil, Aufgaben eines „H e b r ä i s ch en I ns t i tutes", legt Zeugnis ab von einem ernsten und gewissenhaften Philologen der die Notwendigkeit der Schaffung dieses Instituts klar vor Augen sieh und diesem bereits eine Reihe, manchmal bis ins Kleinste musterhaft durch dachter Aufgaben stellt. Gerichtet ist er in der Hauptsache an die künftifen Mitglieder der zu schaffenden „Accademie", an Lehrer und Fachgelehrte, ine der uns Turner und Sportler besonders interessierenden Aufgaben ist z. B. die Herstellung und Bearbeitung eines wirklich brauchbaren hebräischen Turn- und Sport-Fachwörterbuches. Der dritte Aufsatz ist dem „Stil C h. N. B i a 1 i k s" gewidmet und behandelt den Werdegang und die Eigenart der Ausdrucksweise des bedeutendsten hebräischen Dichters der letzten Jahrhunderte. — Ein köstlicher Beitrag für die Kenner Bialiks! Zum Schluß weist Lipschütz die Stellung dreier Gruppen des westlichen Judentums zur hebräischen Sprache nach: „Liberale,Orthodoxe und Zionisten" und klagt darüber, daß die Assimilation hier seit der Uebersetzung der Bibel ins Deutsche durch Mendelssohn das Hebräische zur Fremdsprache in dieser Jtidenheit gemacht hat. Wir alle sind davon überzeugt, daß „die Juden — (also auch die deutschen Juden) — ohne Hebräisch jeden Zusammenhang mit der Judenheit der W.elt, jeden Einfluß auf die jüdische »olitik und auf die Oeschehnisse in Palästina verlieren werden." — Darum, an die Arbeit! * Lernt Hebräisch mit eiserner Ausdauer und Geduldt __S. M. Verantwortlich für die Redaktion: Süß mann Muntner, Charlottenburg. Krumme Straße 62. — Druck: Bartholdy & Klein, O. m. b. H., Berlin SW. 48» Puttkamerstr. 19