Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 22 (1921)
- Issue
- 1-4 (1921)
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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19 derzufolge im Kinderturncn näcli frei-, und Geräteübungen ein jüdisches Märchan den Kindern vorgelesen wird. Zur Zeit aus dem Märchenbuch von Irma Smger ,;Das verschlossene Buch", Löwit-Verlag, Wien. VI. Die Einiglingsbestrebungen. 'wischen Makabivcrband und anderen Sportverbänden sind noch nicht zum Abschluß gebracht und wird Euch das Ergebnis von uns mit allen notwendigen Details nach Abschluß der Verhandlungen bekanntgegeben werden. Die Sitzungen der' Kreisleitung linden jeden Dienstag, 8 Uhr abends, i'ii Jüdischem Nationalrat, Celetnä 22, statt. Adresse: Ing. hmerich Hoffmann, ■'rag II, Soukenickä 27. Büdiersdiau. Zu Broda: „Sozialismus im Zionismus" von Arthur Sonnanfeld. Es war vor dem Kriege eine Zeitlang in der Mode, die zionistische Entwicklung zeitlich und zugleicn inhaltlich in drei große Abschnitte — man sagte »Isiasen" zu zergliedern: die erste umfaßt das Wirken Theodor Herzrs (politischer Zionismus); die zweite das Schaffen Achad Haams (Kultur- 'ionismus); und die dritte will Max Brod eingeleitet haben, unitf er nannte s>e „Weltgefühl" nicht Weltanschauung -- und verstand darunter den refi- £' 1 ö s e ii Zionismus. Denn ihm ist „der Zionismus in seinem inationaten, unbeweisbaren, daher festesten Kern nichts anderes als gläubiges Vertrauen auf das religiöse und soziale üenic des jüdischen Volkes." Und dies Vertrauen entspringt bei ihm nicht nur einem jüdischen, sondern ebenso sehr eiinem ahe nienschlichen und sozialen üeiühl. — Die allmenschliche Bedeutung des j ü - üiscnen Nationalismus als reines Gegenbi'fd zu dem Nationalismus der V ö f k e r hat er in seinem Bekenntnisbuch „Heidentum, Christentum, Judentum" und seinen politischen Essays „Im Kampf um das Judentum" gezeichnet; den sozialen Sinn des Zionismus untersucht er in seiner jüngst (bei R. L ö w i t, W i e n - B e r f i n) erschienenen Schrift „Sozialismus im Zior lismus." Wenn auch mehr gefühlt als gedacht, war dieser soziale Sinn von je dem Zionismus eigen; in der Theorie bestand stets ein sozialistisches, zumindest bodensozialistisches Palästinaprogramm. Was hingegen dazu beitrug, daß in manchen Landsmannschaften ein strammer kapitalistischer Kurs eingeschfagen wurde, war das Fehlen eines klaren O e g e n v\ a r 1s p ro g ra m m s , das die bisher nur gefühlsmäßig behandelten Probleme der Diaspora umschloß. Und gerade jetzt, da die zionistische Bewegung mit einem 'Schlage zur Vertreterin des jüdischen Volkes den anderen Völkern gegenüber geworden ist, müssen alle Unklarheiten verschwinden und alle Gegenwartsfragen sachlich beantwortet werden. Nicht eine künstliche sozialistische Stimmung soll erzeugt werden, sondern 'edigheh das stets vorhandene soziale Gefühl formuliert werden. Auch dem Hapoel-Hazair, der ein umfassendes Palästinaprogramm entworfen hat, wirft Brod die ungenügende Beachtung' der Position in der Diaspora vor, die sich auf 4 Sätze eines „Europaprogramms" beschränkt, die vielleicht für deutsche Verhältnisse genügen, aber in den anderen, besonders den östlichen neugebildeten Staaten, wo die Auseinandersetzung mit den .anderen iirteien schwere, aber nicht zu vermeidende Pflicht ist, völlig tinzureichend sind. Den Marxismus lehnt Brod ab, weil er ihm nicht der speziellen'Lage Qcs jüdischen Volkes entsprechend scheint, zumai in seinem Hauptpunkt: Oer jede freie Betätigung der Individuen ausschaltenden Sozialisierung aher Proauktionsmittel. Die „Wissciischaftlichkeit" des Marxismus, d. h. die möglichst unklare, andeutende Formulierung des Endzieles, die Tendenz, alles von dur tvolution und nichts vom Willen des Einzelnen zu erwarten, ist nicht jüdisch, Ja, a n t i j ü d i s c h .' Gerade diese Scheu "vor Offenheit und Klarheit aufzugeben die rein sachliche in eine persönliche Orientierung (Umzuwandeln, die Heiligkeit der Willensfreiheit gegenüber dem System der Willens u u freiheit zu Proklamieren all'dies ist Ziei des jüdischen Sozialismus. Uno dies fehlen eines ausgeführten positiven Programms ist nicht zuletzt einer der Gründe