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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 12 (1920) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
12 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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1* Unruhig und aufgeregt vor gespannter Erwartung hüpfen die meisten Läufer von einem Bein auf das andere oder laufen hierhin und dorthin. Hier massiert einer noch schnell Waden und Schenkel, um zum Laufe die höchste Schnellkraft zu erlangen, dort schnürt ein anderer im letzten Augenblick seinen 'Rennschuh fester, und nur einige alte Kämpen, die schon zahllose Wettkämpfe hinter sich haben, sammeln in eiserner Ruhe und Selbstbeherrschung alle Nerven- und Muskelkräfte für den entscheidenden Augenblick. Ruhig und tief atmen sie, um die Lungen für den kommenden Lauf mit einem möglichst großen Sauerstoffvorrat zu versorgen. Dann legen sie die Tuchhose oder die Wolldecke, die sie um ihre Beine geschlungen hatten, um Muskeln und Gelenke vor Kälte und Steifheit zu schützen, ab, lockern noch einmal Sehnen - und Muskelbänder und begeben sich auf ihre Plätze. „Auf die Plätze!"---„Fertig!"---Puff! Ein Schuß kracht. Wie aus der Pistole geschossen stürzen vier Läufer in wilder Jagd davon. Eine ungeheure Spannung hat sich aller Zuschauer bemächtigt. Wird unsere Staffel siegen, die Weißen dort mit dem blauen Magen David auf der Brust? Eng zusammen liegen die ersten Läufer. Da löst sich in zähem Kampfe einer aus dem Rudel. Ist's unser Mann? — Alles hat sich weit vorgebeugt, (um besser beobachten zu können. — Nein, es sind unsere schärfsten Gegner, aber unser Mann ist ihnen dicht auf den Fersen. Jetzt, jetzt kommt der erste Wechsel. Kaum merkt man, daß der Stab in andere Hand überging. Doch da, was ist's mit unserer Mannschaft? Plötzlich liegt sie an letzter Stelle, denn der Wechsel war schauderhaft. Aber unser zweiter Mann läßt sich nicht entmutigen. Schritt um Schritt kämpft er sich an die vorderen heran, da hat er schon seinen Vordermann geholt. Fast ist er schon an den Zweiten heran, dal kommt der Wechsel. Ein leidenschaftliches Zurufen der Zuschauer setzt ein. 4eder will, daß die Mannschaft seines Vereins siege. — Diesmal klappt der Wechsel großartig. Glatt geht unser dritter Mann an der zweiten Mannschaft vorbei und beginnt einen zähen Kampf mit der ersten. Die Tribünen toben, daß man sein eigenes Wort kaum verstehen kann. Da beim Wechsel liegen wir mit der ersten Mannschaft zusammen. Fast wollen die Nerven vor Spannung springen.... Wird er's schaffen, unser letzter Mann? Man ruft, man schreit, als ob der Lauf dadurch schneller würde. Brust an Brust jagen die beiden Ersten dem Ziele zu, dicht gefolgt von den anderen beiden Mannschaften. Wird er's schaffen? — — — Da, ein brausendes Hedad! Rufen und Händeklatschen. Um Brustbreite haben „Wir" gesiegt. Ja, wirl Nicht nur die Mannschaft, nicht nur der Verein, nein alle anwesenden Juden sind stolz auf den Sieg ihrer Brüder, wie sie beschämt sind bei ihrer Niederlage. Hebt sich nicht auch euch jungen Juden voll Stolz die Brust, wenn ihr den jüdischen Namen geehrt seht, wenn ihr ihn mit Achtung und Liebe aussprechen hört? Und ballt sich nicht auch euch die junge Faust, wenn der Name unseres Volkes in den Staub getreten und verlästert wird? Darum sollt Ihr stets darnach streben, den jüdischen Namen zu Ehren zu bringen. Doch zu unserem Staffellauf. Alljährlich im Juni oder Juli finden in den großen Städten Deutschlands besonders spannende und große Staffelläufe über 71/2 bis 25 Kilometer mit 20 bis 50 Mann pro Mannschaft statt. Das sind die Staffelläufe Potsdam—Berlin, Schleißheim—München, Rund um die Alster, In Hamburg, Quer durch Breslau usw. Ihr wißt, daß da einige unserer Brudervereine ganz vorzüglich in diesem Jahre abgeschnitten haben, so der J. T.- und Sp.-V. „Bar Kochba", Breslau, der bei seiner ersten Teilnahme gleich den 4. Platz, unmittelbar hinter den größten Vereinen Breslaus, belegen konnte oder der J. T.- und Sp.-V. „München", der den 1. Platz ki Klasse C. errang. Aber auch unsere anderen Vereine erreichten im ersten Viertel der Teilnehmer das Ziel. So manches „Bravo, Bar Kochba" von Nichtjuden zeigte uns da die Anerkennung und Achtung, die uns außerhalb unseres Kreises entgegengebracht werden. Nun bittet euren Turnwart, meine lieben jungen Freunde, er möge, sei es in der Halle oder im Freien, den Staffellauf mit euch üben, damit ihr, wenn ihr größer seid, würdig unseren Namen in den Wertkämpfen vertreten könnt. L. K.

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