Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 12 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 hat sich gefunden, der die Heldentaten Bar Kochbas und die seiner todesmutigen Kämpfer der Nachwelt überliefert hätte. Der Talmud*) nur erzählt, daB er durch Gottes Hand umgekommen sei. weil er ausgerufen haben soll: Herr, wenn du uns nicht hilfst, so hilf wenigstens nicht unserm Feinde, d. h. im übrig*n helf ich mir selbst! Und zwar soll er. wegen ungerediter Verurteilung gestorben sein.5) Rab. Eleazar aus Modein, ein Verwandter Bar Kochbas, als Volkslehrer hochgeachtet und wegen seiner Frömmigkeit berühmt, leistete ihm während der Belagerung Bethars ungeheure Dienste. Plötzlich wurde dieser Mann des Verrates verdächtigt. Ein Samaritaner schlich sich als Spion der Römer durch einen untexirdischen Gang in. die Stadt und flüsterte R. Eleazar etwas ins Ohr, um ihn beim Volke verdachtig zu machen und so den Glauben an ihn, der als Schutzgeist der Stadt bisher gegolten hatte, zu erschüttern. Bar Kochba erfuhr davon und ließ den Samaritaner vor sich kommen. Da sprach dieser arglistige Mensch vor Bar Kochba: „Wenn ich die Wahrheit sage, tötet mich mein Herr, luge ich, so wirst du mich töten, drum sterbe ich lieber durch deine Hand, als da« ich meines Herren Geheimnisse verrate." Eleazar vorgeführt, beteuerte mehrmals den Fremdling nicht zu kennen. Bar Kochba aber, erregt, versetzte seinem frommen Oheim einen Stoß, daß er davon starb. Da rief eine Himmelsstimnit. Du hast den Arm Israels gelähmt und dein Auge geblendet. Hiermit versündigte er sich vor Gott. Das Unglück verfolgte ihn, und der Sieger fand ihn von einer Schlange umwunden. Staunend stand er vor ihm und riet. „Hätte ihn Gott nicht getötet, Menschen vermochten es nicht!" Nach und nach verloren die Judäer. all' die Festungen, die sie im Anfang des Revolutionskrieges erobert hatten. Fünfzig ihrer festen Plätze und viele bedeutende Ortschaften fielen in die Hand der Römer. Jerusalem wurde erobert und Bar Kochba mußte sich mit den Seinen nach der noch jungen Festung Bethar zurückziehen. Hier suchten auch die Flüchtlinge des Landes Zuflucht. Um Bethar entspann sich nun ein erbitterter Kampf. Dieser Kampf, der von beiden Parteien mit ungeahnter Heftigkeit geführt wurde, scheint jahrelang gedauert zu haben. Das judäische Heer war glänzend organisiert, die Festung Bethar schien uneinnehmbar. Unterirdische Gänge verbanden die Belagerten mit der Außenweft, so (faß Lebensmittel immer wieder zu beschaffen waren, und ein Fluß versah die Eingeschlossenen mit Wasser. Und doch fiel Bethar. Auch hier ist keine genaue Schilderung überliefert. Ob Bethar durch Verrat fiel, ob es den Römern gelang, der Judäer Nahrungsmittelwege abzuschneiden? Niemand weiß es. Im Jahre 135, am selben Tage, an dem vor 65 Jahren Jerusalem gefallen war, wurden die Römer Herr der Feste und richteten unter der Bevölkerung ein grauenvolles Blutbad an. Und Bar Kochba, der Messias, die Hoffnung des Volkes? - Sein Stern war untergegangen. Von seinem Ende ist nichts bekannt. Bald heißt es, er sei von seinen eigenen Truppen getötet worden, bald ein Römer hätte den großen Feldherrn erschlagen, und einige erzählen, man habe seinen Körper von einer Schlange umwunden gefunden. Seine Zeit war das letzte Aufflackern der Selbständigkeits- Sehnsucht des judäischen Volkes. *) Oittin 58 und 1er. Taanith IV, 7. ») Mldr. Echa rabb. II, 2. 1 2 -