Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 11 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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IS hin; die neue Richtung die Willensbildung als Forderung nationaler Erziehung hin. 2. Methoden und Wege. Die Umstellung der Grundlagen erfordert auch eine völlige Aenderung der Arbeitsweisen und der Orgfanisätionsform" der Vereine. Der alten Richtung mußte alles daran liegen, zur Erreichung ihres Zieles so viel Menschen als irgend möglich zu erfassen und sie körperlich auszubilden. Ihr höchstes Ziel mußte die Ausbreitung der . Organisation sein. Dazu war ein möglichst Werfer Rahmenerforderlich, der auch widerstrebende Elemente vereinen konnte. Die Volksvereine machten das „demokratische Prinzip" der Anpassung der Forderungen an die Masse der Halbinteressierten und Lauen zum unumstößlichen Dogma. Der deutsche Turn- oder Sportverein galt technisch und organisatorisch als Vorbild. Die meisten Mitglieder kamen nur zu den Turnstunden, nahmen nur selten miteinander Fühlung, und zeigten für die Entwicklung des Vereins nur in Ausnahmefällen inneren Anteil. Die Einteilung in Altersklassen, in Fähigkeitsriegen, der ganze technische Betrieb wurde genau dem vorgefundenen Muster nachgemacht, sogar die Kneipe und Skatspiel nach dem Turnen wurde übernommen. Dazu kam dann und wann ein Vortrag, der für die geistige und nationale Ausbildung sorgen sollte. In dieser rein formalen äußerlichen Weise ist zwei Jahrzehnte lang in der Turnerschaft gearbeitet worden und wird zum größten Teil noch heute gearbeitet. Diese extensive Arbeitsweise und ihre Erfolge erscheinen der jungen Richtung nicht der Kräfte wert, die sie für die Leitung des technischen und organisatorischen Apparates bedarf. Die Arbeit muß im geraden Gegenteil auf die Intensivierung, auf die Vertiefung, nicht auf die Verbreitung gerichtet sein. Für eine Arbeit im Sinne der neuen Richtung müssen etwa folgende Grundsätze gelten: 1. Als Erziehungsorganisation muß die Turnerschaft in erster Linie eine Jugendgemeinschaft sein. Nur soweit die Menschen noch beeinflußbar sind, gehören sie zu uns. 2. Die wirksamste Erziehung leistet das Vorbild. An die Stelle der lediglich technischen Vorturner und Turnwarte müssen Fü h rer treten, die neben dem turnerisch technischen Gebiet die allgemein menschliche und jüdische Entwicklung der ihnen anvertrauten Jugend beobachten und leiten. Ihre Aufgabe ist es, der Jugend den Weg zu einer konsequenten und bewußten Selbsterziehung zu weisen. 3. Erziehung kann nur in engen Gemeinschaften geleistet werden, in denen jeder dem anderen nahe kommt und in denen der Gemeinschaftsgeist allein schon den einzelnen stark beeinflußt. In diese Gemeinschaften dürfen nur solche Leute hinein, die zueinander passen. Die Bildung von Zügen an Stelle der Abteilungen und Riegen mit einem Führer als alleinverantwortlichen Leiter, ist die gegebene Form.