Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 11 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Die neue und die alte Richtung in der 3üd. Curnersdiaff. Von Nathan Kaminski-5 J. T.-V. Berlin. Bei der vielfach recht ungeklärten Stellungnahme unserer Turner zu den Grundlagen unserer Bewegung, erscheint es dringend notwendig, die Anschauungen, die früher bei uns maßgebend waren, denen der ständig an Boden gewinnenden Jugendgruppe klar gegenüberzustellen. Dabei sei gleich im voraus bemerkt, daß bei der scharfen Kritik, die im folgenden an der alten Richtung geübt wird, es sich nur um die leitenden Prinzipien, um das System, handelt und nicht um die Menschen, die die Bewegung geführt und mitgemacht haben. Es ist ganz selbstverständlich, daß ein Teil der Grundsätze der „neuen Richtung" auch in den Menschen der „alten Richtung" von je lebendig waren, sich aber bei der allgemeinen Zeitrichtung noch nicht durchsetzen konnten. Auf der anderen Seite muß aber schon hier betont werden, daß nur ein vollständiger Bruch mit dem Gewesenen, eine völlige Umkehr, die Weiterentwicklung in dem hier geforderten Sinne gewährleisten kann. 1. Zi el e und Auf gab en. Die Gründer der Turnbewegung sahen in der „körperlichen Regeneration der Juden" d. h. in der Behebung der dem jüdischen Volk anhaftenden körperlichen Schäden, die Hauptaufgabe der Turnbewegung, die damit in die Reihe der Bestrebungen für eine jüdische Volkshygiene eingereiht wurde. Diese Aufgabe erschien ihnen als ein Teilproblem der allgemeinen Renaissance des jüdischen Volkes, war als solches zwar nationaljüdisch, hatte aber sonst neben den anderen nationalen Aufgaben, also auch dem Zionismus, eine durchaus selbständige Stellung und Berechtigung. Die Pflege nationaljüdischer Gesinnung, stand in zweiter Linie und ist von dem Gros der Mitglieder stets nur als notwendiges Ornament betrachtet worden. Man tat sich auf sein „Muskeljudentum" im Gegensatz zum übergeisteten „ Nervenjudentumetwas Besonderes zu Gute. Zur Kritik dieser Begründung sei hier nur kurz*) wiederholt, daß die Turnbewegung als hygienischer Heilfaktor einen Versuch mit quantitativ und qualitativ unzulänglichen Mitteln darstellt, daß somit das Schlagwort von der „körperlichen Wiedergeburt der Juden" eine Uebertreibung ist und daß die ganze hygienische Begründung bei den meisten lediglich einem äußerlichen, materialistischen Nationalismus entsprang. Als Jugendbewegung musste die Turnerschaft mit diese einseitigen Einstellung versagen. Die alleinige Betonung der körperlichen Ausbildung konnte den Idealismus der außenstehenden Jugend nicht wecken, ja sie konnte die eigene Jugend weder begeistern noch festhalten. So hat sie von vornherein mehr Mitläufer als Anhänger gehabt. •) Vgl. Turn- und Sport-Zeitung Oktober 1918 und November 1919.