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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 10 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
10 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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19 Vom praktischen Turnen und Sport. Ratschläge für unsere TumiDarie und Vorturner. Julius Hirsch, Kreistumwart. Es ist zweifellos ein großer Nachteil für unsere Turnbewegung, daß wir ihr aus eigenen Reihen keine Berufsturnlehrer zu stellen vermögen. Die deutschen Turnvereine sind in dieser Beziehung viel besser gestellt, ihnen stehen Turnlehrer und Pädagogen für den Vereinsbetrieb genügend zur Verfügung. In unserem Kreis konnte die turnerische Ausbildung nur immer im Nebenberuf erfolgen, und nur ganz Vereinzelte haben ihre Tätigkeit als Turnwarte so ernst aufgefaßt, daß sie sich bemühten, sich umfassende technische Kenntnisse anzueignen. Günstiger steht es um unser Frauenturnen. Verschiedene unserer Turnschwestern ergreifen den Beruf der Privat-Turnlehrerin und stellen sich mit ihren Kenntnissen in den Dienst unserer Vereine. In ihren Händen ist unser Frauenturnen gut aufgehoben; die Zahl der jüdischen Turnlehrerinnen, die private Turnzirkei für orthopädisches und Kinderturnen halten, wird mit der Zeit stark zunehmen. Aber bei unserem Männerturnen klafft da eine große Lücke, die durch sorgfältige und gediegene turnerische Ausbildung einzelner geeigneter Mitglieder überbrückt werden muß. Zunächst unsere "Purnl'eiter und Turnwarte: Persönliche Eigenschaften müssen hier besonders mitsprechen; um nur das Wesentlichste zu nennen: Zielbewußtes, sicheres Auftreten und tadelloses Verhalten vor der Abteilung, Pünktlichkeit bei allen Vereinveranstaltungen, klares, deutliches und ruhiges Kommando. Der Lehrstoff muß von ihnen vollkommen beherrscht werden: 1. Anatomische Kenntnisse, die sich Beziehen auf die Einwirkung der einzelnen Uebungen auf das Muskelsystem und auf die erste Hilfe bei Unglücksfällen. 2. Systematik des Turnens. Darunter versteht man das gesamte Gebiet der Turnübungen, eingeteilt und geordnet nach dem Wesen der einzelnen Uebung und ihrer Einwirkung auf den Körper. 3. Methodik des Turnens, oder deutlicher ausgedrückt: Wie man mit dem vorhandenen Lehrstoff verfährt nach Turnfähigkeit, Alter und Geschlecht. D:e Methode ändert sich also je nach der Beschaffenheit der einzelnen Abteilung. Man wird bei Kinderabteilungen eine andere Methode in Anwendung bringen müssen, wie z. B. bei Männerabteilungen, oder in einer Anfängerabteilung anders unterrichten, als in einer Abteilung, in der sich fast nur ausgebildete Turner befinden. Nun zum eigentlichen Turnbetrieb. Oberstes Prinzip ist, so oft als möglich heraus aus den Hallen, die nur einen Notbehelf darstellen. Der weitaus größte Teil unserer Turnübungen läßt sich sehr gut im Freien ausführen. Natürlich können wir die Turnhallen nicht ganz entbehren, denn für den größten Teil unserer Mitglieder kommen nur die Abendstunden in Betracht. In diesen Turnstunden müssen sich die Turner innerhalb einer bestimmten Zeit versammelt haben, damit die allgemeinen Uebungen möglichst von der ganzen Abteilung geturnt werden können. Bis dahin überwacht der Turnleiter sorgfältig das freie Turnen der einzelnen Mitglieder, gibt ihnen neue Anregung, hält Unausgebildete von Uebungen zurück, denen sie noch nicht gewachsen sind, und muntert dagegen andere auf, sich an neue Uebungen heranzuwagen. — Zur angesetzten Zeit beginnt die allgemeine Turnstunde. Ich erkenne alle Vorzüge eines frisch gesungenen TurnTiedes an, doch darf die kostbare Zeit nicht allzusehr mit langen Liedern und evtl. Wiederholungen verschwendet werden. Es gibt im Vereinsleben gewiß noch andere Gelegenheiten zum Einüben unserer schönen Turnlieder Der Betrieb der allgemeinen Uebungen (Frei- Hantel-, Stab-, Keulenübungen) hat in den letzten Jahren manche Wandlung erfahren. Das gesundheitliche Moment ist ganz besonders in den Vordergrund getreten, und all die zusammengesetzten Uebungen, die ein anstrengendes Arbeiten des Nervensystems verlangen, sollen nur gelegentlich geübt werden. In erster Linie 1 0

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