Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 9 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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17 möglich wäre, ohne die fast absolute Homogenität seiner Mitglieder. Diese Homogenität kennt die Turnerschaft nicht, und in dem Maße, in dem sie ihr fehlt, wird es schwieriger sein, einen spezifischen „Turnerschaftsgeist" zu schaffen. Es ist daher unbillig, die Durchführung der Münchener Thesen binnen kurzer Frist zu verlangen. Sie setzen eine Verbundenheit der Menschen und eine Atmosphäre des gemeinsamen Wollens voraus, die noch erst geschaffen werden muß. Das wird bei der Turnjugend verhältnismässig leicht sein, wird aber auch bei ihr einige Zeit dauern. Die Turnerschaft wird für ihre Führerschaft in sehr hohem Maße auf die Mitarbeit von Leuten aus dem K. J. V., dem Herzl-Bund und dem Blauweiß angewiesen sein, und es ist dringend zu wünschen, daß sich aus diesen Organisationen recht viele zur Verfügung stellen. Man würde dann eine Führerschaft besitzen, die ebenfalls an Einheitlichkeit der des Blauweiß erheblich nachstände. Aber gerade "diese Verschiedenartigkeit der Führer , kann zum Vorteil werden, wenn man bei der Zuteilung der Gruppen darauf Rücksicht nimmt, und wenn man dem einzelnen Führer die nötige Freiheit läßt und nicht der Versuchung unterliegt, zu schematisieren. Es wird nötig sein, die Jugendgruppen nach Möglichkeit.autonom zu gestalten. Die Verbindung zwischen ihnen und der „Altersorganisation" aber muß der Turnboden bleiben und der Sportplatz. Was mit der „Altersorganisation" zu geschehen hat,' ist eine nicht leicht zu beantwortende Frage. Nur eins darf zweifellos nicht geschehen: sie darf nicht aufgegeben werden! Es muß nach der organi: satorischen Möglichkeit gesucht werden, die „Altersorganisation", die heute in vielen Fällen als ein hemmendes Element für die Jugendarbeit angesehen wird, zu einem fördernden Faktor zu gestalten. Das wird zu erreichen sein, indem man ihr gegenüber weniger das Prinzip der »intensiven Erziehung" anwendet, das bei Erwachsenen nicht mehr angängig ist, und an Stelle dessen für praktische Aufgaben sorgt, deren Erfüllung auch A e 11 e r e n zur Pflicht gemacht werden kann. Der neugewählte Ausschuß wird es insofern nicht leicht haben, als die Mehrheitsverhältrnsse in der Turnerschaft noch recht unklar sind. Andererseits dürfte die Absicht der jetzigen „Opposition", zwar keine Verantwortung zu übernehmen, aber um so intensiver in die praktische Arbeit hineinzugehen, ihm sein Amt sehr wesentlich erleichtern. Letzten Endes liegt die Entscheidung aber nicht in Berlin, sondern bei den einzelnen Vereinen. Sie vor allem müssen vom VIII.Turntag mit der Ueberzeugung fortgegangen sein, daß ein verhältnismäßig kurzer Zeitraum unerbittlich darüber entscheiden wird, ob der alte Gedanke der Turnerschaft noch lebenskräftig genug ist oder nicht. Bringt der nächste Turntag nicht ganz deutliche Zeichen starker innerer Entwicklung, so kann damit das Schicksal der Turnerschaft als entschieden gelten. 9