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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 9 (1920) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
9 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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4 ftihrungen, nicht ganz frei von Uebertreibungen war, um Wortmeldungen zu veranlassen. Es war aber beileibe nicht etwa die erwartete Opposition, die sich nun zum Wort meldete, sondern meist Leute, die in Hinsicht der Tendenz den Standpunkt des bisherigen Kreisvorstandes einnahmen. Sie suchten die heftigen Vorwürfe und deprimierenden Feststellungen Simons auf das gehörige Maß zurückzuschrauben und übten Kritik an der bisherigen Handhabung der Geschäfte des Kreisvorstandes. Die Opposition in bezug auf die Richtung der Tendenz hat sich während der ganzen Tagung nur ganz schüchtern vorgewagt. Sie war offenbar, wie Bileam, gekommen zu fluchen und hat, vermutlich zum Teil sich selber kaum bewußt, gesegnet. Der größere Teil der Tagung wurde in Anspruch genommen von der Debatte über Wege und Ziele der jüdischen Turnerschaft. Ich wies bereits eingangs darauf hin, daß m. E. eine so große Versammlung nicht das geeignete Forum für Erledigung derartig grundlegender Fragen ist. Einem Delegiertentag müssen fertig ausgearbeitete Richtlinien und Pläne vorgelegt werden, zu denen er als endgültig entscheidende Instanz Stellung zu nehmen hat. Zwei Standpunkte traten insbesondere in der Diskussion hervor. Die eine Gruppe, insbesondere von Ernst Simon I, Dr. Moritz Bileski, Dr. ArthurStein und Walter Katschke vertreten, legte das Hauptgewicht auf den einzuschlagenden Weg und wollte die Ziele der Jüdischen Turnerschaft ausschließlich durch intensive Erziehung der heranwachsenden Jugend verwirklichen. Sie sehen in der Jüdischen Turnerschaft eine Jugendbewegung und gehen von der Auffassung aus, daß die älteren Mitglieder weder gewillt noch imstande sind, sich in der erforderlichen Weise umzustellen. Da nun aber irgendwelche Konzessionen an Aeltere die gute Erziehung derjugend mehr hemmen als fördern würden, müssen die„Alten" abgestoßen werden. Dadurch werden alle Kräfte für die „Arbeitswilligen" verfugbar. Zu diesem Zwecke wurde die Anwendung des Blauwelß- Erziehungsprinzips (intensive Erziehung in kleinen Gruppen) in der Turnerschaft für unerläßlich erachtet. — Die andere Gruppe, vornehmlich vertreten von C. Z. Klötzel hatte mehr das Z i e 1 im Auge. Sie betrachtet die Jüdische Turnerschaft als eine Volksbewegung und will demgemäß auf die älteren Mitglieder, die der Bewegung in ihrer Weise lange Jahre treu gedient haben, nicht verzichten. Zwei wesentliche Punkte sprechen unbedingt f ü r Beibehaltung der älteren Mitglieder. Zunächst ist ohne sie im Augenblick die Aufrechterhaltung des technischen Betriebes völlig undenkbar. Und dann würde bei radikaler Durchführung -der in der letzten Turnzeitung veröffentlichten Darlegungen ArthurSteins — so wünschenswert an sich eine reinliche Scheidung der Tätigen und der Untätigen wäre — die Bewegung in vielen Orten mangels Beteiligung einfach zusammenbrechen. Der Intensität der Durchdringung der einzelnen Glieder der Bewegung stände für längere Zeit ein erheblicher Verlust an Einfluß und Bedeutung gegenüber.

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