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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 3 (1920) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
3 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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4 Jetzt, da sich allenthalben die Chaluzim die Pioniere, zur Rückkehr ins Vaterland rüsten und der Ruf' der Arbeit an die judische Jugend der ganzen Welt ergeht, ist es an der Zeit, der Männer zu gedenken, die vor mehr als 37 Jahren als die ersten Pioniere hinüberkamen. Das waren die jungen Studenten, die im Jahre 1882 in Russland die Studien verliessen um in Palästina ihrem Volke zu dienen und die sich nach den Anfangsbuchstaben der Worte des Verses: beth jaakow lechu w'nelechu — Haus Jakobs, auf, lasst uns gehen — „ B i | u - nannten. Noch lebt in Palästina ■ eine Anzahl von ihnen, und ich habe drüben oft ihren Erzählungen aus den .Jugendtagen der Kolonisation gelauscht. Unter unsäglichen Entbehrungen gründeten sie die Kolonie G edera h (Katra) die heute der Stolz des neuen Jischuw (Siedlung) ist. Diese wackeren ersten Pioniere waren die Vorbilder für die Chaluzim der nächsten Jahrzehnte; auf ihren Schultern standen die Männer, von denen ich heute berichten will. Ihr Leben war der Arbeit für ihr Volk und für ihr Land gewidmet; sie haben uns gezeigt, dass der echte Bilugeist noch nicht erloschen ist. Während des Krieges gingen sie dahin, in das Land, aus dem es keine Rückkehr gibt. Dr. Hermann Moscowitz, einer der bekanntesten Führer der rumänischen Zionisten kam im Februar 1910 nach Palästina. Er ging nach Rechoboth und wurde der beste und aufopferungsvollste Koloniearzt des Landes. Er nahm an der Arbeit der jüdischen Aerzteorgamsation zur Bekämpfung der Landeskrankheiten lebhaften Anteil und befasste sich als altes Mitglied des Grossen Aktionskomitee auch mit allen anderen Angelegenheiten der Kolonisation, mit den Fragen des Landankaufs und der Ausdehnung unseres Tätigkeitsgebietes. Die in Rechoboth anlässlich der Sportfeste im Frühjahr mehrfach veranstalteten landwirtschaftlichen und gewerblich e n Ausstellungen gingen auf seine Initiative zurück, bein Haus in Rechoboth ist all den vielen Zionisten' die ihn im Laufe der Jahre aufsuchten, besonders aber seinen im Lande wohnenden Freunden, in angenehmster Erinnerung. Was sie in erster Linie an ihm schätzten, waren seine Qualitäten als Mensch seine Bescheidenheit, Offenheit und Selbstlosigkeit. Er war ein alter Freund Herzl's. aber jede Ueberhebung lag ihm fern. Selbst von hoher moderner Bildung, erleichterte er manchem das Leben im weltabgeschiedenen Orient Seine Selbstlosigkeit aber hat ihm das Leben gekostet. I« Marz 1916 wurde er zu einem schwerkranken jüdischen Arbeiter nach Ludd (Lydda) gerufen; er folgte unverzüglich der Aufforderung und kehrte dann bei Nacht zurück, da er in Rechoboth selbst noch Schwerkranke hatte. Sein Kutscher verfehlte in der Dunkelheit die Furt und beide ertranken in den Wassern eines Wadis. In ihm haben wir einen der Besten verloren, der uns nicht nur als sachverständiger Berater beim Aufbau unseres Volkstums, sondern auch als Mensch, als ein edles Vorbild für viele, noch unschätzbare Dienste hätte leisten können. Unvergessen lebt er fort im Gedächtnis des neuen Jischuw.

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