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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 2 (1920) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
2 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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22 . , Am yorabend des Wettkampfes übe maa die Uebungen noch einmal durch. Sollte eine Uebung gänzlich misslingen, so turne man sie zur eigenen Beruhigung noch einmal. . . Um * uJir abends ist das Abendessen einzunehmen und um 10 Uhr geht es in die Klappe. Nun kommt der 'Tag des Herrn.' Um' 5 Uhr früh heisst es: Aufstehen. Kaltes Abreiben und möglichst Duschen. Nun turne man einige leichte J-reiubungen durch. Man tue sich an diesem Tage nichts „Gutes'? an durch besonders gute Speisen, denn es soll schon vorgekommen sein, dass gerade das Oute auf den Wagen eigenartig wirkt. Auf eine besonders gute Turnkleidimg» die die schonen Linien des Körpers hervorhebt, ist Wert zu legen. Eine lange enganliegende Turnhose wirkt bei Geräteübungen gut, während sie bei den volkstümlichen Uebungen hinderlich ist. Es ist auch zu empfehlen, für das Gerarturnen und die volkstümlichen Uebungen v e r s c h i e d e n e Turnkleiduag mitzunehmen. Beim -Wetturnen heisst es: Ruhe bewahren. U«ber schneidiges An- und Abgehen vom Gerät brauche kh wohl kein' Wort zu verlieren. Unterhaltung in der Riege hat zu unterbleiben, nicht nur aus Gründen der Ordnung, sondern auch weil sie die Turner ablenkt und nervös macht. Wenn ihr Wettturner alle diese angeführten Dinge beherzigt, so habt ihr schon viefe Punfcte \m voraus gewonnen. Und nun auf zum Wettstreit! Boxen. Von Fritz Menkes, Sport-Verein Jüdischer Studenten im K.J.V., Berlin. i t.Der-t.Bo)Wt ist sicher!ich der umstrittenste aller Sportszweige. Der Jude hat ihn oft als un f e i n und r o h bezeichnet. Wenn man natürlich Boxen und Prügeln für identisch erklärt, wäre dieses' Urteil richtig Wer aber einen richtigen Boxkampf mit angesehen, miterlebt hat, wird anders urteilen. wem Mrome, der sich aus den englischen Internierungslagern über Deutschland ergoss, hatte sich auch die jüdische Jugend und ganz offiziell unsere jüdische Turnerschaft angeschlossen. Daher möchte ich einige Worte zum <V<rstandnis dieses Sports sagen. FM . ^as Boxen.is,t einerseits eine Leibesübung, die in gleichem! Masse tiasfizitat und physische Zähigkeit, wie schnelle Entschlusskraft und Geistesgegenwart fordert anderseits ein sehr gutes Mittel zur Selbstverteidigung, das gerade uns Juden leider oft recht not tut. Behandeln wir der Reihe nach die beiden Unterabteilungen. Es braucht nicht jeder zu denken, dass' er sich durch das Training zum K a m pt e r heranbilden muss, denn wie z. B. der Franzose Carpentier >agt, hat nicht jeder die körperliche Befähigung zum „fighter". Das Traiü'n?'KdaSu 31 u .Freiü,bungen besonderer Art, Seilspringen ünd Stossen am ßa» besteht hat bei jedem Körperbau Straffung der Muskeln und Sehnen, grosse Widerstands- und Leistungsfähigkeit in allen körperlichen Strapazen, ungeheure Markung der Lunge zur Folge. Kurz: bald vereint man Ausdauer, und nehendigkeit. Was dann das Kämpfen im „Ring" anbetrifft, so ist dies kein wildes i>rauflosgehen, sondern ein ruhiges, sicheres, taktisch vorbereitetes Arbeiten, eine Reihe scharf überlegter Stösse, die nicht Schmerzen, sondern nur langsames trmaften des Gegners bezwecken. Die Stellen des Kopfes und Rumpfes die zu treffen smd, sind vorgeschrieben. Denn dort liegen Nerven, deren trschutterung gewisse Lähmungen hervorruft. So setzt z. ff bei dem gefürchuten Magens toss durch den getroffenen Nerv eine sekundenlange Stockung der Herztätigkeit ein, die Blutzufuhr der Lunge versagt, das Atmen wir" stiiwer. Gerade diese Feinheiten des Kampfes, dazu das Ausnutzen von Hlossen, die Anwendung von Finten machen ihn zu einem Sport, bei dem weniger körperliche als vielmehr geistige Spannkraft den Ausschlag geben. Darum schätze ich das Boxen gerade für den Juden sehr hoch ein er braucht bei allem was er betreibt, ja nicht nur Technik, sondern itu wesentlichen Taktik.

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