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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1920-01-01 · 2 (1920) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
21 (1920)
Issue
2 (1920)
Date
1920-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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10 zu schaffen vermag, die, indem sie den Ausdruck eigenster Volkskultur darzustellen vermögen, gleichzeitig dem neuen Denken und Fühlen einer Zeit entsprechen, welche wie kaum eine andere nach' Harmonie in Inhalt und Form verlangt. Wenn die innige Verbindung zwischen ost- und westjüdischer Jugend, die der allernächsten Zukunft obliegt, diese Entwicklung zu schaffen vermag, so wird der jüdischen Jugend eine Kulturtat gelingen, wie sie der wunderbaren jüdischen Bewegung unserer Zeit würdig ist. 3. b. Perez. Von Markus Qünsburg, Berlin. ..... Jizch^.k, Leib Perez ist einer der beliebtesten und bekanntesten jiddischen Dichter und Ghettoschriftsteller. Er ist aber mehr als Ghettoschriftsteller, denn sein Verdienst ist es, die jiddische Literatur, die bis dahin in der Wahl der Motive sich auf das Ghetto und Ghettoleben beschrankte, aus den engen Gassen des Ghetto hinausgehoben, ihr neue Welten erschlossen, moderne Strömungen, wie die Romantik, zugänglich gemacht, mit einem Worte sie europäisiert zu haben. Den klarsten Beweis dafür liefert die Tatsache, dass Perez fast als Erster das exotische Problem, das als solches bis dahin in der jiddischen Literatur kaum bekannt war, in seine Dichtungen einbezog. Mit Recht kann man Perez den Romantiker der jiddischen Literatur nennen, die ihre klassische Blüte unter Mendele Mocher Sforim erlebt hat Die ersten Schöpfungen Perez's sind soziale Gedichte, in denen er, nachdem Morris Rosenfeld den Anfang gemacht hatte, das soziale Problem tiefer erfasst. Er weiss, dass die Ursachen des I.Elends der Judenmassen nicht bloss in den traurigen Ghettozuständen egen, sondern in der unüberbrückbaren Kluft zwischen Reichen und Armen, Herren und Knechten, Ausbeutern und Ausgebeuteten. >n diesen Gedichten bezeugt Perez seine völkerversöhnende sozialistische Gesinnung, die sich im Laufe seiner Entwickelung immer mehr steigert, bis sie zu einer lichterlohen Flamme auflodert, deren heissen Hauch wir in manchen seiner späteren Gedichte verspüren. Das soziale Problem behandelt Perez auch in seinen Dramen, von denen „Beim fremden Brautkleid" und „Die goldene Kette" die nennenswertesten sind. Den weitaus grössten Raum in Perez's literarischem Nachlass nehmen Novellen und Monologe ein, in denen er gleich dem Meister Scholem-Alejehern Glanzvolles leistete. Seine Novellen gruppieren sich um Typen, die einen festen spezifischen Charakter haben, oder gar eine besondere Klasse der Menschen- oder Juden- Gemeinschaft bilden. Ein solcher Typus ist der Batlen*), dessen Wesen, Lebensweise und Art Perez mehrere Novellen widmet. Der Batlen ist ein Produkt des entarteten Ghettolebens, eine soziale Krankheit des Ostjudentums. Er ist ein Mensch ohne Beruf, ohne Arbeitslust und Arbeitsfähigkeit. *) Müssiggänger.

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