Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Berichte. Die III. (DäDDerabteiluDg des Bar Kodiba-Berlin (ostjüdisdie, Abteilung). Von Dr. Fritz L o e b e n s t e i n. Im Sommer kam uns der Gedanke, einen ostjüdischen Turnverein aufzumachen. Zwar hatte der Bar Kochba - Berlin schon vor dem Kriege in seiner II. Mannerturnabteilung Ostjuden um sich geeint; jedoch wollte diese v^nj & nKfht zu rechtem ,Leben kommen und vollends der Krieg hat schliesslich das Bestehende auseinanderfalten lassen. Es mögen in der Hauptsache 3-Sri•i?ner^ Qrtmde gewesen sein, die damals' die ostjüdische Abteilung ohne wirklichen lebendigen Zusammenhang mit dem Bar Kochba Hessen und somit ihre Zukunft gefährdeten. Oer Krieg aber hat in uns Westjuden doch vieles verändert und besonders in denjenigen unter uns, die im Osten waren, hat er in bezug auf. die Betrachtung und Behandlung unserer Brüder grundlegend Neues geschaffen Während wir früher, ja auch wir, die wir immer von der nationalen Einheit der Judenheit sprechen, die Ostjuden mehr als Faktoren unserer von angeblich höherer Warte aus erfolgender Behandlung ansahen, hat f-hzzln Mden . ostjüdisdhen Zentren und das Gemeinschaftsleben mit den ostjudischen Menschen, Familien und Institutionen uns von der Notwendigkeit überzeugt dass es für beide Teile nur eine Art des für uns und unser Volk erspnesslichen Lebens und Tuns gibt: das Zusammenleben und das .Zusammenarbeiten. Von diesem Standpunkte gingen wir innerlich vorbereitet an die Gründung heran. Noch ein anderer äusserlicher Faktor war aber hinzugekommen, der unser Wollen beschleunigte und bestärkte. Nach dem Kriege hatte sich eine so erhebliche Anzahl von Ostjuden, gezwungen durch die unerträglichen Verhaltnisse im Osten nach Berlin geflüchtet, dass eine Sammlung und Stärkung der Flüchtlinge uns eine unbedingte Forderung erschien Sammlung und Stärkung lautet die Parole, unter der Wr uns vereinen wollen; für uns beide sollte der neugegründete Turnverein ein Konzentrieren auf die Erfüllung unserer obersten Pflicht, der Pflicht gegen unser Volk, bedeuten. Nach langwierigen Vorbereitungen eröffneten wir anfangs Oktober den "?]e" Turnabend in der Turnhalle der Gemeindeschule Keibelstrasse mit 33 Mitgliedern. Von allen Lagern kamen die 'Anmeldungen, aus jdem V o 1 k s h e 1 m, dem Hapoel Hazair, aus der Ibriah u.a.m. Da die meisten Teilnehmer wenig; oder gar nicht in ihrem bisherigen Leben geturnt hatten, so war es zumeist rohes Matenal, dasnicht leicht zu bearbeiten war. Die Grundbegriffe der Disziplin die einfachsten Regeln des' Marschierens und Turnens musstefl erst beigebracht werden. Und heute, wo gerade zwei Monate seit der Eröffnung vergangen sind, dürfen wir schorf sagen, dass es der hingebenden Arbeit des Turnwartes gelungen ist, Erfreuliches geschafft zu haben. Mehr aber noch als dieser Ejfer des: Turnleiters ist es die wahre und innere Teilnahme der Mitglieder, die Schon brauchbare Leistungen gezeitigt hat. d 1. f?,-3, z- B- V? «cnmächtiger Junge, der noch nie in seinem Leben «J Keih und Glied marschiert ist oder noch weniger je an einem Turngerät ge«W hat unter Aufbietung aller Energie — man merkt ordentlich wie das Auge sich spannt und^ das Gesicht sich zusammenreisst — eine vorgeübte TurnaufgaM bewältigt, dann lacht einem das Herz im Leibe. Oder freut Ihr Euch nicnt' wenn Ihr den prachtvoll gewachsenen, strammen Körper des — fast an einen kaukasischen Bergjuden erinnernden — noch zu jungen Wilnaer Turnbruders seht? Von vornherein waren wir uns klar, dass es nicht allein mit dem Turnen, das Montag und Mittwoch stattfindet, getan ist, wenn wir zueinander korrrmeri wollten, sondern dass es darüber hinaus notwendig ist, dass uns zun**"1 das persönliche und dann kameradschaftliche Band einander eng verbi»4e0 musste. In dieser Erkenntnis veranstalten wir gemeinsame Sonntags-,