Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 21 (1920)
- Issue
- 1 (1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 hallen fehlen. Wir haben Zeit und Geld für Cafehäuser, Varieteabende und Operettenbesuche. Aber die Badeanstalten kennen wir kaum. Wir wissen noch nicht einmal, das ein tägliches oder zvveitägliches Douschen ein Hochgenuss ist, an den man sich leichter gewöhnt als an Zigarettenrauchen und Biertrinken. Dass der Alkohol gut schmeckt, lassen sich täglich Tausende einreden, dass das Wasser heilkräftig ist, will niemand glauben. Wo sind die Luftbäder? Gibt es viele Schulen, in denen die Turnstunde mit völlig freiem Oberkörper Sommer wie Winter abgehalten wurde? Unter den dichte» Umhüllungen kommt der Körper nie zum Licht, nie zur Luft, nirgend ein Ansatz zur Volkskultur. — 1000 Kinos und 3 kleine Badeanstalten. Volksaufkiärung? Ich fürchte: nein! (Fortsetzung folgt0 Der „Olaccabi" in Saloniki. Von C. Z. Klötzel, J. T.-V. BariKochba, Hamburg. Unter den der jüdischen Turnerschaft angeschlossenen oder mit ihr in Verbindung stehenden jüdischen Turnvereinen spielen die in der Levante befindlichen eine besondere Rolle. Vor allen Dingen sind es die beiden grossen Vereine in Konstantinopel und in Saloniki, die den jüdischen Turngedanken und darüber hinaus nationaljüdische Arbeit dort vertreten. Ueber den jüdischen Turnverein „Maccabi" in Saloniki soll hier einiges berichtet werden. Saloniki ist eine der merkwürdigsten Judenstädte der Welt, wenn nicht die merkwürdigste überhaupt. Während alle anderen sogenannten jüdischen Grosstädte wie Warschau, Odessa, Lodz und Wilna im Osten, Berlin und Frankfurt a. 'Main im Westen und Newyork \n Amerika entweder aus dem alten Ghetto hervorgegangen sind, oder innerhalb der überwiegenden nichtjüdischen Bevölkerung ein neues Ghetto aufgebaut haben, ist Saloniki eine wirklich jüdische Stadt, oder war es doch wenigstens bis zur Einnahme durch (die Griechen während des Balkankrieges. Damals waren von etwa 120000 Einwohnern mindestens 75—80 000 Juden. Und zwar gehörten diese Juden jenem besonders glücklichen Zweig unseres Volkes an, der niemals ein Ghetto gekannt hat, wie es die aschkenasischen Juden das ganze Mittelalter hindurch ertragen mussten. Als 1492 Spanien seine Juden austrieb, die viele Jahrzehnte an seinem Aufstieg und seiner Kultur in hervorragendem Masse mitgearbeitet hatten, bot sich den Vertriebenen in den Städten des Sultans an der Küste des Mittelländischen Meeres ein gastfreies Asvl. Vor allem war es Saloniki, in dem die jungen jüdischen Gemeinden bald an Zahl, Ansehen und Wohlstand die ursprünglichen Einwohner weit überflügelten, und aus der bescheidenen Schifferstadt einen Welthafen und ein geistiges Zentrum des jüdischen Lebens machten. Die Nachkommen dieser Spaniolen sind es, die heute noch i» Saloniki leben. Aber so sehr sie sich mit einer fast beispiellose^ Spendet für den Zeitungsfondm»