Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 12 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 der babylonischen Gefangenschaft zurückkehrten, konnte lange Zeit Kein wahrhaft nationales Leben im neugewonnenen Vaterlande erblühen. Zwar ging man bald an den Bau des zweiten Tempels, doch nahmen Üötzenkult, Sittenverderbnis und Mischehe immer mehr überhand, so dass es die Gutgesinnten im Lande schwer hatten, das Judentum in Glauben und Voikheit gegen die immer mehr zu Tage tretende Assimilation zu schützen. In diese Auseinandersetzung gntten schliesslich zwei Männer ein: der gwsste Vertreter der Priesterkaste: Esra, und einer der bedeutendsten jüdischen Politiker: Nehemia, die in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts eine gewaltige Aufraumungs- und Aufbauarbeit leisteten. Das jüdische Volk wurde national und religiös gereinigt und geeinigt, die Verfallserscheinungen mit äusserster Strenge erfolgreich bekärnpft und zur Verhütung künftiger Gefahren für Fden inneren Bestand des Judentums das Ritual- und Sittengesetz in derjenigen Form ausgeDaut, wie es im ganzen heute noch besteht. Damit war unser Volk kulturell vor dem Verfall gerettet; die p o 1 i t i s c h e n Folgen dieses Prozesses zeigten sich darin, dass Nehemia zweimal als Vertreter des persischen Oberherrn Statthalter in Palästina wurde, fcs gelang den Juden, sich annähernd 100 Jahre lang ihr kulturellem und nationales Eigenleben zu wahren, wenn sie auch vom Persei" rcich nach wie vor abhängig blieben. Dies sollte sich im letzten Drittel des 4. Jahrhunderts v. Chr. völlig andern. Eine neue Macht nämlich trat auf den Schauplatz, der es nach anfänglicher Toleranz nicht nur um politische Oberherrschaft, sondern auch um kulturelle Angleichung der unterworfenen Volker zu tun war: der Hellenismus hielt seinen Siegeszug durch die westöstliche Welt. Alexander der Grosse hat es verstanden, die ungebrochene Naturkraft seines mazedonischen Bergvolkes mit der schon etwas dekadenten Nachblüte griechischer Kultur zu verbinden und so eine der gewaltigsten Bewegungen zu Schäften die je Weltgeschichte geformt haben. Man würde die besondere Bedeutung des Hellenismus verkennen, wenn man ihn mit dem periklclscnen Griechentum schlechthin gleichsetzen wollte Sein Wesen wird vielmehr gekennzeichnet gerade durch die Tatsache der Mischung, die sich zunächst nur aus mazedonischen und griechischen Urstoffen zusammensetzte, bald aber auch persische und — teilweise — jüdische Elemente in sich aufnahm. Das Beherrschende blieb natürlich der gnechischeGeist, dessen Gegensätzlichkeit zum jüdischen Geiste man in Kürze nicht besser charakterisieren kann, als Heinrich w,!"/ ef, getan hat> wenn er sa£t: Das Judentum legt'an d»e Weit den Masstab des Guten, das Griechentum den des Schönen. Lieser Gegensatz zwischen ethischer und ästhetischer Wertaflschauung (den Heine mit Nazarenismus und Hellenismus bezeichnet) musste natürlich in dem Augenblick höchst akut werden, als griechisch-hellenistische und jüdische Kultur in nähere Berührung traten. Dies geschah schon zu Lebzeiten Alexanders. Die Schlacht bei Issus entschied - i. J. 333 - nicht nur über den politischen