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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 11 (1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
11 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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12 und muss ein Gegengewicht darstellen, gegen die unnatürliche und den Geschlechtstrieb forcierende sitzende Lebensweise in den noch dazu auf der Strasse, im Theater und an tausend anderen Orten der Versuchung vollen Städten. Sie soll die systematische körperliche Betätigung und Ausarbeitung pflegen, die nötig ist, damit nicht ein physischer Zustand entsteht, in dessen nervöser Ueberhitztheit der junge Mensch fälschlich den einzigen Ausweg in sexueller Explosion sieht, während körperliches Ausarbeiten im Turn- und Rudersport — immer neben der vorhin erwähnten Energie-Umleitung in geistige Arbeit — die wirkliche Erlösung bringen kann. Nur wenn sich die jüdische Turnerschaft dieser schweren Aufgabe unterzieht, wenn Leute an ihrer Spitze stehen, von denen ein reiner und edler Geist ausgeht, der das Ganze durchdringt, wenn ihre Absicht nicht ist, Kraftmeiernaturen heranzubilden, die ein Muskeljudentum ohne Geist und ohne jüdische Ethik für jüdisch halten, wenn sie kühn und entschlossen sich in den Dienst der Idee stellt, die Geschlechtsmoral unserer Jugend in jüdischem Sinne umzugestalten, — nur dann ist sie in Wahrheit eine jüdische Turnerschaft, die jüdische Menschen heranbildet und der in der Reihe der wahrhaft für die jüdische Renaissance Arbeitenden einer der ersten Plätze gebührt! J^^^^^^^^J „»w ,£r!eg hat uns in langen, schweren Jahren gelehrt, Abschied f» ^€n-- JViele unserer Allerbesten mussten wir von uns ziehen lassen, die nicht wieder kamen. Wir haben von ganzem Herzen tief und ehrlichi sie getrauert — aber der Schmerz um ihren Heimgang vermochte uns seelisch nicht zu entwurzeln. Dass Krieg und Sterben zueinander gehören, war eine frühe Erkenntnis, die uns von vornherein fest machte gegen ein Uebermass von i>cnmerz. Wir wurden Meister in der entsagungsvollen Kunst, Abschied zu nehmen. c u-j aber kann uns heute trösten, da in der Stunde, wo uns das?-Ssai aus seinem Bann zu entlassen schien, wie ein Unhold uns die Kunde anfallt, dass wir Elfi Wigderowitsch verloren haben? Seit einer Woche weiss ich nun, dass sie tot ist, aber mein Fühlen und Empfinden läuft Sturm gegen die grausame Erkenntnis. Ich habe in diesen Tagen viele gesehen, als sie die Nachricht zum ersten Mal hörten: und immer wieder sah ich uie gleiche, hilflose Gebärde des Erschreckens vor dem Unfassbaren, der Ab-, wehr des Unerträglichen. Wer Elli Wigderowitsch gekannt hat, kann sie sich einfach nicht aus dem Leben fortdenken. Die ehrwürdig-konventionelle Formel der Todesanzeige, hinter der sich der bchmerz mehr verbirgt, als er sich' in ihr offenbart, spricht von E1U Wigderowitsch als von der „lieben, langjährigen Vorsitzenden des Hamburger tsar Kochba Dös ist sie gewesen, in der treuen, aufopferungsvollen, pflicntdurchdrungenen Arbeit, die wir von den Menschen verlangen müssen un.d erwarten können, die sich die Unsern nennen wollen. Aber darin war sie eine von vielen, sicherlich der Besten eine, aber in dieser Hinsicht nicht unersetzlich. In die Lücke, die sie in der Reihe hinterliess, tritt sehne» und lautlos eine andere. »<■ Unersetzlich ist Elli Wigderowitsch als Persönlichkeit, als jüdl«ch«r Mensch, als Beispiel und Vorbild. Es ist nie unter uns ausgesprochen worden,

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