Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 11 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Iung der tierischen Instinkte im Menschen, der Sieg des Willens über den Körper hat hohen sittlichen Wert. Es würde zu weit führen, hier all die Momente zu erörtern, die die Turnbewegung als nationalen Erziehungsfaktor wertvoll erscheinen lassen. Aber all diese Punkte, die Erziehung zu Mut, zu Disziplin, zu Selbstbeherrschung und Energie, können gleichzeitig auch als sittliche Momente gewertet werden. Es ist kein Zufall, dass eine Organisation, die uns innerlich so nahe steht wie der „Blau-Weiss", den Weg zuerst beschritten hat. Der Blau-Weiss gehört, von welchem Gesichtspunkt aus man auch ausgehen magi zu uns. Es ist zum Teil die/Schuld der bisherigen Einseitigkeit unserer Theorien und Arbeitsweisen, dass die beiden Organisationen nicht den Weg zueinander gefunden. Ebenso wie man uns mi* Recht den Vorwurf der Einseitigkeit unserer hygienischen Begründung und der rein körperlichen Erziehung machen kann, ebenso können wir dem Blau-Weiss den Vorwurf machen, zu einseitig auf dem Standpunkt der Gefühlsbildung zu stehen, und unsere Erziehungsprinzipien der Wirkung der körperlichen Schulung auf die Willensbildung zu übergehen. Eine Jugendbewegung aber, die allen Anforderungen genügen soll, darf sich nicht auf einseitige Arbeitsgebiete beschränken, sondern muss den ganzen Menschen umfassen. Drei Forderungen der Erziehung sind es, die den einzelnen Menschen wie eine Gesamtheit zur höchsten Entfaltung ihrer Kräfte bringen können: die Erziehung des sittlichen Empfindens, des Intellektes und des Willens. Wertvolles kann nur da geleistet werden, wo sittliches Empfinden mit Willensstärke und Geisteskraft geeint ist. Eine Jugendbewegung, die den ganzen Menschen bilden will, muss ihr Wirken auf diese drei Seiten des menschlichen Charakters ausdehnen und sie in gleicher Weise umfassen. Eine solche Jugendbewegung haben wir heute noch nicht, aber sie kann erwachsen aus einer Zusammenfassung der Prinzipiefl> die der Blau-Weiss und die Turnerschaft heute noch einseitig vertreten. Diese grosse, geeinte Jugendbewegung wird kommen als ein Mittel der Vorbereitung des jüdischen Volkes zu seiner nationalen Aufgabe, der Erfüllung der zionistischen Idee. Allerdings wäre mit dem erweiterten Ziel auch eine Aenderung des äusseren Rahmens notwendig, weder „Turnerschaft" noch „BlaU- Weiss'* würde den Inhalt dieser Jugendbewegung recht wiedergeben. Nennen wir sie so, wie die Turner in Erez Israel sich nannten: „ M a k k a b i". Dieser Name könnte das Sinnbild der Jugendbewegung für die nationale Wiedergeburt in der ganzen Welt werden. Die Bedeutung des Ausbaues der jüdischen Jugendbewegung in Deutschland aber liegt in dem Vorbild für die grossen Judenzentren des Ostens und Amerikas. Erst wenn es eine Jugendbewegung mit diesen Ziel™ im weiten Umfang geben wird, erst dann hat die jetzige Generation ihre Pflicht getan. ,