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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 11 (1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
11 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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6 fordert werden. Denn dass Leibesübungen eine sehr schöne und auch eine sehr nützliche Sache sein können, sind Binsenwahrheiten, mit denen man keine idealistische Jugendbewegung machen kann. In dieser Formulierung konnte die Turnbewegung nie den Idealismus auslösen, den unsere Besten aus anderen Gründen für die Sache haben. Mit materiellen Motiven kann man die Jugend nicht revolutionieren und tief innerlich erfassen. Die körperliche Ertüchtigung ist eine sehr wichtige Sache, aber an sich kein Programm, wenn sie nicht höheren Zielen dient. Die mangelhafte Entwicklung der jüdischen Turnbewegung hat ihre tieferen Gründe in der einseitigen materialistischen Begründung und Erziehungsarbeit. Wir haben es auch gar nicht nötig, die Turnbewegung so einseitig zu begründen. Die nationale Erziehungsaufgabe ist eine Idee, die andere Kräfte auszulösen vermag und die auch in den letzten Jahren mit wachsender Intensität vertreten wurde. ■ Diese Frage ist auch oft genug schon in diesen Blättern behandelt - worden und heute findet die alte Anschauung über die Turnbewegung kaum noch Vertreter (wenn man das aus dem Schweigen auf die zahlreichen Angriffe gegen die alte Begründungsweise schliessen darf). Die Bedeutung der Turnbewegung für die sittlichen Erziehungsprinzipien, wie sie die neue Generation besonders im Blau-Weiss erhebt,, soll nun im folgenden in aller Kürze gezeigt werden. Die Forderung unserer Jungen, unsere idealistische Gesinnung; auch im Leben zu betätigen, unserem Ideal zu leben, ist in etsff* Linie eine Willensforderung. Von der Stärke des idealistischen Willens wird es abhängen, ob sich diese Forderung im Leben durchsetzt oder nicht Die Willensbildung ist also aus diesem Grunde eine Grufldforderung der idealistischen Erziehung. Diese Erziehung kann auch nicht mit kleinen Mitteln erreicht werden. Eine formale äusserliche Lern- und Betätigungsgemeinschaft, wie wir sie noch vielfach haben, wird sie nie erreichen. Wir müssen den ganzen Menschen von Jugend auf neu gestalten, müssen ihm wahren jüdischen, d. h. idealistischen Geist einflössen, müssen seinen Willen erstarken lassen, ihn wahrhaft machen gegen die tausend Einflüsse des materialistischen Milieus, in. dem er lebt, müssen ihm eine wahre Lebensgemeinschaft geben. Das sind die Forderungen, die wir an eine wirksame Erziehung stellen müssen. i Die Grösse dieser Forderungen darf aber nicht unterschätzt werden. Die Versuchungen des materiellen Triebes in jedem Menschen, die Verlockung des Lebensgenusses, des Reichtums, des Ansehens und all der Eitelkeiten des Lebens, die gegen eine idealistische Gesinnung wirken, sind wahrlich nicht gering. Die meisten unterliegen und werden Philister wie die anderen. Die ganze Umwelt, die Familie, die Freunde, alle sind mit ihrer meist ausgesprochen materialistischen Grundrichtung für einen schwachen Willen, selbst bei bester Erkenntnis, eine ungeheure Gefahr. Hier kann nur ausgeprägte Willenskraft den Sieg erringen. Gerade dieser Umstand aber macht die Turnerschaft für diese Erziehung wertvoll. Gerade mit den Arbeitsmethoden der Turner-

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