Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 9/10 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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35 Vom praktischen Turnen und Sport. 5thu>edisches Turnen. Von Fritz S c h e r b e l, Bar-Kochba, Berlin. Eine besondere Art der Körpergymnasiik, die wir als „schwedisches ' Urnen" bezeichnen, wird in Schweden seit Anfang des 19. Jahrhunderts in allen Volksschichten eifrig getrieben. Wie man Jahn als den Vater des „deutschen Turnens" bezeichnet, so gilt der Schwede Ling als der Schöpfer des »senwedischeti Turnens". Er schuf als iLehrer an der Universität Lund das System, das in Schweden auch seinen Namen trägt. , Gleich Jahn ein glühender Patriot und gründlicher Kenner der Volkskunde seines Vaterlandes, fasste Ling den Gedank'en, eine harmonische körperucne Ausbildung durch Leibesübung zum wesentlichen Bestandteil der Jugenderziehung und Volksertüchtigung zu machen. Er war wie Quts Mutiis rm°n überzeugt, dass e'ne richtige und wirksame Art der körperlichen Aus- "nuung auf eingehende Kenntnis vom Bau des menschlichen Körpers und der gesetztseiner Lebenstätigkeiterl gegründet sein müsse. Auf Grund seiner ludien baute Ling allmählich ein System der Gymnastik auf, das er in folgende aondergebiete einteilte: a) pädagogische oder Schulgymnastik, b) militärische oder Wehrgymnastik, c) medizinische oder Heilgymnastik, d) ästhetische oder Kunstgymnastik. , P'e schwedische Gymnastik bezweckt in erster Linie eine harmonisch schöne und gleichmässige Ausbildung des ganzen Körpers. Es sind gj.ei" und Gerät e-Uebungen, die fast ausschliesslich physiologische sat haben und schon bei oberflächlicher Betrachtung insofern im GegciisondZUrn Putschen Turnen stehen, als sie nicht ruckartig und „mit Schwung", Mu vrn ruhig und tangsam bei regelmässiger Atmung und Anspannung aller Und Causgeführt werden. Sie solfen den Körper harmonisch durchbilden *'rtT-en s'cn insbesondere auch für das Frauenturnen. a Beim schwedischen Turnen wird auf regelmässiges Ein- und Ausvo^A" besonderes Gewicht gelegt. Das Einatmen geht langsam und tief bis Jr' m ^er ^r Atmung geeignetsten Stellung, so dass reine Luft kräft" en"egensten Lungenalveolen eindringen kann. Die Ausatmung erfolgt hra ci ebenfalls in einer für sie günstigen Haltung, um die im Körper verrauchten Gase zu entfernen. fliusJr i schwedischen Rumpf bewegungen kommen den Brust- und BauchaugjjfJV Na'Cken- und RüCkenmuskelm sehr zugute. Die langsamen, aber kräftig den T rten At-muigen stärken Herz und Lungen und gewöhnen ausserdem selbst m-r aucn *ur **'e übrige Zeit an ein tiefes Atmen. Es ist ganz reine V€4rst¥K"'ch, dass die Atmungsübungen mehr als jede andere Bewegung zu ^stwbfreie Luft beanspruchen. Ist keine Gelegenheit vorhanden, im Freien Kontmn*1' Ji0 ^HJe man ■ur gute Lüftung im Zimmer oder Turnsaaf. Zur Ausatm regelmässigen und gleichzeitigen Atmung ist es angebracht, da* e'n weniS hörbar durch den Mund gehen zu lassen, der ■m'as , TOrnehmste Gymnastikgerät für das schwedische Turnen ist des ^"^hliche Körper selbst. Nur um die Tätigkeit auf bestimmte Teile in hJs+rpCrf zu begrenzen, oder um die Wirkung einer Stellung und Bewegung" "esurnmter Weise zu verteilen, werden feste und bewegliche Geräte benutzt. Quer(*r'e meisten angewendleten schwedischen Geräte sind: Der die ArtH-' iLattenwand und geneigte bezw. senkrechte Stangen. Schon deutsid«J?le^er 0eräte bedingt einfachere Uebungsmöglichkeiten gegenüber dem s*ch auh 5unstturnen an Reck und Barren. Aus demselben Grunde eignen bmiprt» n-ie schwedischen Frei- und Geräteübungen vorzüglich für ein Kom- "es Kiegenturnen. W)r J"8 würde über den Rahmen dieses Aufsatzes weit hinausgehen, wollten e Praktische Uebersicht orfer auch nur eine Zusammenstellung 9