Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 9/10 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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22 gelegentlich der Münchener Vorstandssitzung im September haben ja auch gezeigt, wie lebendig dieser Oedanke ist, und wie sehr sich ein erheblicher Teil unserer Mitglieder dessen bewusst ist, dass jeder, der am Aufbau der neuen jüdischen Kultur helfen soll, zunächst in sich alles aufgenommen haben müsse, was die alte jüdische Kultur zu bieten vermag. Man verrät indessen kein Geheimnis, wenn man sagt, dass in den weitaus meisten Fällen die1 Arbeit nicht zu dem gewünschten Ziel geführt hat. Kurse wurden angefangen und nach einer kaum nennenswerten Anzahl von Stunden wieder abgebrochen. Andere fingen mit 30—40 Mitgliedern an und endeten schliesslich mit 2 oder 3 Hörern, und das Endergebnis war in einem erheblichen Teil der Fälle, dass am Ende des Winters die meisten eben so viel oder eben so wenig wussten, wie sie am Anfang gewusst hatten. Um hier Besserung zu schaffen, muss zunächst den Fehlerquellen nachgegangen werden. Sie liegen meines Erachtens in Doppeltem: in dem geringen Ausmass an Zeit, das der einzelne für die Arbeit benutzte und in der Art, wie gearbeitet wurde. Zunächst das Zweite: Ich halte den K u r s b e t r i e b als solchen für eine wirklich intensive Arbeit für unbrauchbar. Kurse sind gut zur Anregung, und sind auch gut, um oberflächlich über irgend ein üebiet zu orientieren, zur wirklichen Vertiefung können sie nicht iführen; auch dann nur schwer, wenn der Einzelne das im Kurs Gehörte für sich nacharbeitet. Entweder bleibt er so an der Oberfläche, wie es der Kursleiter tun muss, um allen seinen Hörern Genüge zu tun, dann kann er natürlich nichts Wirkliches lernen, oder aber er geht mehr in die Tiefe, dann fehlt es ihm an der unbedingt erforderlichen Hilfe. Ich schlage daher vor, von der Kursarbeit zur Gruppenarbeit überzugehen. Sie soll so ausgeführt werden, dass etwa 4—6 junge Männer oder junge Mädchen sich Verpflichten, ein bestimmtes Gebiet miteinander durchzuarbeiten. Sie werden zu einer Gruppe zusammengefasst und jede Organisation, beispielsweise jeder Turnverein organisiert zu Beginn des Sommers und Winters so viel Arbeitsgruppen, als hiernach erforderlich wären. Nach Möglichkeit soll im jeder Gruppe bereits einer sein, der um etwas, wenn auch nicht unbedingt um viel, den anderen an Kenntnissen voraus ist. Diejenigen Gruppen, die das gleiche Arbeitsgebiet haben, werden zusammengefasst zu einer grösseren Gesamtgruppe, die ihrerseits einen Leiter in der Person desjenigen erhält, der bei dem früheren System Kursleiter war. Er kommt mit seiner Gesamtgruppe einmal in der Woche auf 1—2 Stunden zusammen und legt der Arbeitsgruppe den Arbeitsplan für die nächste Woche vor, worauf er zunächst einen allgemeinen orientierenden Vortrag über dasjenige hält, was in der kommenden Woche durchzuarbeiten ist, und ferner auf Einzelheiten hinweist, die sich voraussichtlich als schwierig erweisen werden. Bei der gleichen Gelegenheit bringen die Angehörigen der einzelnen Gruppen diejenigen Schwierigkeiten vor, die sich im Verlauf der verflossenen Woche ergeben haben und werden von ihm hierüber aufgeklärt. So