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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 9/10 (1919) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
9/10 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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10 liehen, halb anerkennenden Geständnis: Das ist ja alles sehr schön, abe,J.....i sondern es gilt sich zu entscheiden, dass dies alles zwar unendlich schwer sei, aber trotzdem gemacht werden muss und gemacht werden wird. Die hebräischen Turngruppen müssen sofort zustande kommen und jeder von Euch soll sich fragen, was er dafür tun kann, und warum gerade er nicht dabei ist. Es muss ein heiliger Wetteifer entstehen und alle müssen wir uns fühlen als treue Soldaten im Befreiungskampf unseres Volkes. Der grosse norwegische Dichter Henrik Ibsen stellt i» seinem Weltanschauungsdrama „Peer Gyn t" zwei Lebensprinzipien scharf gegeneinander: Das eine wird vertreten von den teuflischen, untermenschlichen Trollen, deren Parole lautet: Sich selbst genug sein. Das andere entgegengesetzte Prinzip predigt der übermenschliche Ausgleicher irdischen Schicksals, symbolisiert in der wundersamen Gestalt des K n o p f gi e s s e r s, und sein Wahlspruch heisst: Sich selbstgetreusein. An diesem Scheidewege steht heute die jüdische Turnerschaft: Entweder können wir in stumpfer Selbstzufriedenheit verharren, wir können ganz wie: die Assimilanten glauben, wir hätten es herrlich weit gebracht und seien am Ende unseres Zieles, uns selbst genug. Oder aber wir können einsehen, dass wir erst am Anfange unserer Entwicklung stehen, dass ungeheure Aufgaben und Pflichten, dass eine beispiellose Arbeit an uns selbst noch vor uns liegt, und dass wir diese Arbeit nur im Geist der Treue gegen uns selbst vollbringen können, einer Treue, die sich über unsere Unzulänglichkeiten zwar klar ist, aber bewusst an das Unvergängliche, Ueberzeitliche, Ewige in uns anknüpft, an unseren edelsten, .innersten, menschlichsten Kern: an unser Judentum! Möge die jüdische Turnerschaft heute, im entscheidensten Augenblick jüdischer Geschichte seit 2 Jahrtausenden, heute, da das Schicksal unseres Landes Israel, und damit die gesamte Zukunft unseres Volkes nur noch in unserer Hand liegt, möge die jüdische Jugend heute wissen, was auf dem Spiele steht. Wenn dieser Augenblick nicht genützt wird, kommt er niemals wieder und neue Jahrtausende unendlicher Leiden, unendlicher Heimatlosigkeit stehen bevor. Unser Geschlecht, das im Uebergange zwischen zwei Zeiten und zwei Welten lebt, trägt die Verantwortung für das Schicksal des jüdischen Volkes vor sich und vor der Geschichte. Möge man einst von uns sager. können: Niemals sich selbst genug, immer sich selbst getreu.

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