Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 9/10 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 des jüdischen Landes" offiziell bekannt, dass auch die direkte und indirekte Palästinaarbeit mit zu unserem Pflichtenkreise gehört. Diesen Beschluss brauchten wir an und für sich nicht so besonders zu betonen, da ja infolge der politischen Lage heute sogar vom Centrai-Verein ähnliche Kundgebungen vorliegen, wenn er nicht erst auf Grund einer langen und ernsthaften Aussprache erfolgt wäre. In dieser Diskussion konnte darauf hingewiesen werden, dass Palästinaarbeit und Zionismus heute keinerlei politische Richtung mehr in sich bergen, die dem unpolitischen Charakter der Turnvereine widerspräche. Und es gelang, alle Anwesenden davon zu überzeugen, dass jüdisch-nationaler Patriotismus erst in Palästina sein letztes konkretes Ziel finden könne, dass ein vom Zionismus sich prinzipiell unterscheidendes Nur-Nationaljudentum diese Differenzierung durch irgendwelche besonderen Aufgaben und Taten zu erweisen habe, nicht aber ein Ausfluss untätiger Wertgesinnung sein dürfe. Im übrigen ist es ja selbstverständlich, dass ein deutscher Turnverein das Wohl seines Volkes und seines Landes fördern muss, und dass erst innerhalb dieser allen gemeinsamen Bestrebungen die politische Einzelfärbung beginnt. Ebenso sind auch unsere Turnvereine nicht politisch, wenn sie des jüdischen Volkes Wohl auf dem einzig erprobten und einzig gangbaren Wege erstreben, sie wären es erst dann, wenn sie sich für eine besondere Art des Aufbaues, für ein bestimmtes Programm der Kolonisation, für spezielle kulturell-religiöse Forderungen etwa entschieden, um nur einige Beispiele aus der Fülle der Möglichkeiten zu nehmen. Nachdem so die erste grundsätzliche These durchberaten und angenommen worden war, erschien die Zustimmung zu den beiden Ausführungsbestimmungen als selbstverständlich. Die Jüdische Turnerschaft hat nun offiziell anerkannt, dass die körperliche Arbeit allein nicht genügt, um unsere Jugend so zu erziehen, wie es uns vorschwebt, sondern dass eine geistige Schulung intensivster Art hinzukommen muss. Die Forderung des Hebräischen wird mit täglich wachsendem Nachdruck an die jüdische Jugend gestellt, und immer mehr wird jede Organisation, wenn nicht allein, so doch vor allem danach beurteilt, wie sie dieser elementaren Forderung nachkommt. Wenn wir uns heute noch „Nationaljuden" nennen müssen, so liegt in diesem Bekenntnis gleichzeitig ein Geständnis, dass nämlich grossen Teilen des jüdischen Volkes vieles von dem fehlt, was nun einmal zum Begriff der Nation unzertrennlich zu gehören scheint. Vor allem müssen wir also die gemeinsame