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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 8 (1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
8 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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12 Jugend des üsinanenreiches mit unseren Ideen vertraut gemacht hat. Ich komme daher gern der Aufforderung der Schriftleitung nach, den jüngeren Mitgliedern unserer Turnbewegung einen Rückblick über die sicherlich interessante und lehrreiche Entwicklung dieser Makkabiürganisation zu geben. Es sind nun schon 9 Jahre vergangen, seit ich aus Konstantinopel von unserem Turnbruder Israel Auerbach ein dringendes Schreiben erhielt, meine turntechnischen Kenntnisse in den Dienst der dortigen jüdischen Jugend zu' stellen. Man sei an einen Entscheidungspunkt in der Entwicklung der ottomanischen jüdischen Jugend gelangt, die nur durch das feste Gefüge einer nationaljüdischen Turnorganisation in unsere Ideenwelt zu lenken sei. Würde dieser Zeitpunkt vorübergelassen, ohne dass etwas geschähe, so sei auf unabsehbare Zeit die jüdische Jugend der Türkei für unsere Bewegung verloren. Ich trat daher im Einverständnis mit der jüdischen Turnerschaft meine Reise an und verliess Elternhaus und Beruf, um mich ganz in den Dienst der jüdischen Turnidee zu stellen. — Die 1492 aus Spanien vertriebenen Juden fanden einst in der Türkei eine neue Heimat. Hier bildeten sie wieder grössere Gemeinden, wandten sich dem Handel zu und lebten ihr beschauliches Dasein ohne nennenswerte Störungen, unberührt von den geistigen Kämpfen der Juden des westlichen Europa. Das ottomanische Judentum ist fast tot, apathisch, steril, erstarrt in absoluter Ideal- und Ziellosigkeit. Erst die Juden Westeuropas — die Alliance israelite universelle", der „Hilfsverein der deutschen Juden" — mussten kommen, um den Kindern die notdürftigste Erziehung und Bildung in Schulen zu verschaffen. Es ist leider selbstverständlich, dass sowohl die französischen wie deutschen Juden durch ihr Schulhilfswerk bemüht waren, die Zivilisation ihrer Wirtsvölker der Jugend einzuimpfen, und so sehen wir tatsächlich die ottomanische Judenheit französisch gefärbt, alles ihr vom Elternhaus anhaftende spezifisch Jüdische abstreifend, wozu besonders noch der Umstand beiträgt, dass in ihrer Umgangssprache, dem aus Spanien übernommenen Spaniolisch so gut wie fast gar keine Literatur vorhanden ist.! Neben diesen sephardischen Juden wohnt in Konstantinopel noch eine Gemeinde sehr rühriger deutschsprechender Juden, deren Eltern zum Teil aus Rumänien, Russland oder Oesterreich vor Jahren eingewandert waren. In diesen Familien ist das Jiddisch noch' zu Hause, und die Söhne dieser Familien waren es, die zuerst sich "i einem jüdischen Turnverein ohne besondere Tendenz zusammenge" funden hatten, den sie dann später in nationales Fahrwasser lenktet- Hier finden wir die ersten Führer der neu entstehenden Makkabi- Organisation. Ein kleiner Kreis von jungen Leuten, die eine unglaub" liehe Kleinarbeit auf sich genommen hatten. Alles junge Männer, die zu Hause am Familientisch Jiddisch reden, im Büro, in dem sie tätig sind, französisch, auf der Strasse, beim Einkauf *u'" kisch, bei Abwicklung von Geschäften griechisch, im Verkeni mit den sephardischen Juden spanisch, und wenn sie unter sich zusammen sind, deutsch.

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