Mannheim
Compact Memory

Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 7 (1919) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
7 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/6492385-5965061-5965390--125-4923043
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

14 Hoffen wir, dass solche Mängel sich in Zukunft nicht mehr bemerkbar machen. Dann wird es uns gelingen, von Mal zu Mal günstigere Resultate zu erzielen. Auf jeden Fall dürfen wir auch jetzt schon sagen, dass die Leistungen der Frauen bei diesem Sportfest einen Fortschritt bedeuteten im Vergleich zu den Vorführungen anlässlich des Jugend- und Turntages im Oktober. c) Unser Turn- und Sporffesl, Vorbemerkung der Redaktion. Wir lassen hier den etwas übermütigen Bericht unseres neuen Mitarbeiters „Fritzchen" folgen. Wir hoffen, dass sich niemand durch irgend einen Witz „gekränkt" fühlt, und dass man auch aus diesen lustigen Worten manches Ernste in Kritik und Anerkennung herauszulesen versteht. I. Wenn einer meiner Urahnen, z. B. der selige R e b A k i b a Eger in Lissa, mich am 25. Mai 1919 in kurzen schwarzen Hosen* und weissem Hemd mit dem blauen Davidsstern auf der Brust hätte umherlaufen sehen, er hätte sich wahrscheinlich — Gott behüte — tot gelacht. Er hätte sich an den Kopf gefasst und einen scharfsinnigen Vergleich gezogen zwischen der Jugend von damals und der von heute: damals bewegte sich der junge Jude ausschliesslich auf den* verschlungenen Wegen der Mischna-Traktate, und lief sich an den dort aufgeworfenen schwierigen Problemen seine Schuhsohlen ab, heute tut er dasselbe — aber auf der Aschenbahn. Damals waren die jungen Juden klein und schmächtig, heute sind sie auch noch klein — aber oho! Der selige Reb Akiba Eger hätte vielleicht gelächelt und wie sein grosser Vor-Namensvetter gesagt: Es ist alles schon einmal dagewesen — und dabei an die gewaltigen Zeiten Juda Maccabis gedacht. Verstohlen nur wagte die Sonne am 25."Mai, Nachmittags um 3 Uhr auf den Sportplatz des % S. C. herabztiblicken. Sie sah dort eine grosse Zahl schwarzlockiger. Männer beiderlei Geschlechts, die in Sportkleidung umherrannten, sich in den Ankleideräumen drängten, sich gegenseitig auf die Füsse traten, Befehle erteilten, Anordnungen erhielten und nicht ausführten — kurz das Tohu-Wabohu in 'zweiter Auflage. Nachdem aber eine kräftige Sintflut vom Himmel herniedergegangen war, lichtete sich das Chaos ein wenig, die Erzengel (in Gestalt der trefflichen Schmerischen Kapelle Hessen ihre Posaunen ertönen und ein langer, festlicher Zug marschierte geordnet in (die Arena. Voran der neu gegründete Sport-Verein Jüdischer Studenten, dann die Mannschaften des Ruder-Verbandes, der Bar-Kochba mit seiner grossen Damenabteilung, der Herzlclub, der Blau-Weiss, der direkt von „Fahrt geklotzt" kam, und infolgedessen in „Kluft" erschien, und noch viele andere. „Wohlan, lasst' das Sinnen und Sorgen" wurde gesungen, wobei der Regen fröhlich niederplätscherte. Nachdem der Zug zweimal die Bahn durchmessen hatte, ordnete man sich zum grossen Kreise, und Elias Auerbach1 bestieg

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.