Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 6 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Atemgymnastik. Von Fritz Scherbel. Wohl keine Art der Körperkultur ist von unseren Turnern und Sportsleuten so sehr vernachlässigt worden wie die Atemgymnastik. Und4 doch gehört die Pflege und Ausbildung der Atmungsorgane mit zu den wichtigsten Aufgaben, die für die körperliche Ertüchtigung der Juden bei ihrer zumeist sitzenden Lebensweise unbedingt notwendig sind. Diese Mahnung gilt insbesondere für unsere Turnabteilungen, die in der schönen Sommerszeit so oft wie nur irgend möglich aus den engen staubigen Turn* hallen hinaus in Gottes freie Natur ziehen sollten. Denn zur Atemgymnastik brauchen wir viel Luft, viel reine Luft. Nun treiben wir allerdings bei jeder turnerischen und sportlichen Be-, tätigung eine Art „unbewußte" Atemgymnastik. Denn die Steigerung der unwillkürlichen Atmung, wie sie sich z. B. nach allen Laufübungen in einer Vermehrung der Atemzüge und zugleich in einer Vergrößerung des Atemumfangs äußert, muß unbedingt als wertvolle Lungen- und Herzgymnastik erscheinen. Wollten wir jedoch in der Ruhehaltung, d. h. ohne gleichzeitige Muskeltätigkeit, vermehrt und vertieft atmen, so würde sehr bald eine Uebersättigung mit Sauerstoff und anstatt einer Erfrischung des Körpers eine Ermüdung eintreten, eben weil ohne Muskelarbeit kein g e - sfeigertes Atembedürfnis vorhanden ist Die willkürliche Atmung oder die bewußte Atemgymnastik wird daher von vornherein immer mit einer Muskelfätigkeit verbunden sein. Von großer Wichtigkeit ist hierbei die richtige ungezwungene Art desAtmens. Es ist verkehrt, wenn man glaubt, nur „mit der Brust* und nicht „mit dem Bauch" atmen zn dürfen. Denn das unerläßliche Kennzeichen einer gesunden und vollkräftigen Einatmung zeigt sich gerade in der Zusammenziehung des wichtigsten Atemmuskels, des Zwerchfells, durch eine Vorwölbung der Bauchwand an. Ohne dieses Heben und Ausdehnen der Weichen, das sich auch in Flanken und Lenden bemerkbar macht, bleibt die Atmung trotz aller Weitung des Brustkorbes unvollkommen. Die mangelhafte Zwerchfellatmung, das falsche Atmen, ist in den meisten Fällen auf die einengende Kleidung, den Turngürtel, der häufig auch außerhalb des Turnens getragen wird, und bei den Frauen auf die' Einschnürung durch das Korsett zurückzuführen. Wer also Atemgymnastik treiben will, muß zunächst diese unhygienische „Kultur"-Bekleidung beiseite lassen. , Man unterscheidet zwei Uebungsformen der Atemgymnastik, das' „T i ef a tm e n" und das „Ate man halten*. Das Tiefatmen hat zur Folge» daß der Brustkorb ohne Einziehung der Bauchmuskeln stark angespannt und erweitert wird. Durch reichliches Einatmen frischer Luft wird dabei, dem Blute möglichst viel Sauerstoff zugeführt und so der ganze Organismus gefördert. Das Tiefatmen wird am besten in Verbindung mit schwedische» Feiübungen gepflegt Besonderes Oewicht ist auf regelrechtes Ein4 und Ausatmen zu legen. Das Einatmen geht langsam und tief vonstatten in der für die Atmung geeignetsten Stellung, sodaß reine Luft bis in die 10