Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- 6 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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schieden, kennt die gedanklichen Zusammenhänge, die das Jahnsche Turnprogramm entstehen ließen. Er weiß doch, daß an der Wiege dieser Idee die beispiellose Erniedrigung Deutschlands und der Wille zur nationalen Wiedergeburt standen. Er weiß auch, daß die Idee gehalten hat, was sie versprach. Sie hat also ihren Wert bewiesen und national erprobte Methoden lassen sich bis zu einem gewissen Grade international anwenden, bei jedem Volke, das in der gleichen Lage ist und den gleichen Willen hat. Nun — wir vom Stamme Juda, wir werden so oft mit den Stammessöhnen Germaniens verglichen, meistens aber entbehren diese Vergleiche der richtigen Grundlage. In diesem Falle aber scheint uns doch eine gewisse Aehnlichkeit der Grundlagen vorhanden zu sein. Wir fordern deshalb, innerhalb der Jüdischen Turnerschaft, die Ablehnung aller umstürzlerischen Versuche, die an Jahnscher Turnidee rütteln. Wir stellen diese Forderung trotzdem und gerade weil wir sehr kritisch geworden sind gegenüber althergebrachten und wohlerprobten Einrichtungen. Wir lehnsn aber auf das Entschiedenste folgenden Satz K.s ab. „Damit rückest ■ wir von dem in der Deutschen Turnerschaft herrschenden Grundsatz der uniformen Ausbildung bewußt ab, und erreichen eine, dem jüdischen Geiste mehr zusagende Differenzierung". Wir wollen noch hinzufügen, wir widersprechen diesem Gedanken, nicht nur auf Grund unserer oben ausgeführten Grundsätze, sondern wir widersprechen ihm auch, weil er einer alten ungeschriebenen B. K.ner Forderung, von der Erziehung zum Geiste des „Mannes im G^ede", entgegen ist. Denn, Turnbruder K., Sie treffen zwar mit diesem Satze ein Problem, aber Sie streifen es nur oberflächlich. Sie werden uns zugeben, daß „Differenzieren" psychologisch betrachtet, eine Art von Kritik voraussetzt. Wir geben gerne zu, daß jedes Kritiküben dem jüdischen Geiste mehr liegt, wir behaupten aber, daß dieser Hang zur kritischen Zersetzung eine gefährliche seelische Assimilationskrankheit, der Glaube eine Erscheinung des Galuth ist. Solche Krankheiten wollen wir aber in unserer Erziehung bekämpfen. Ferner spricht die nackte Praxis gegen eine Konzession an den differenzierenden jüdischen Geist,denn man stelle sich den Differenziere*' in der Riege auf dem Turnboden vor. Er ist nach unserer Meinung eine glatte Unmöglichkeit. Gewiß, wir werden versuchen, ihn zu uns herüber zu ziehen. Man wird Leute dieses Sc h lag es gewinnen, nicht aber durch Konzessionen und Kompromisse, sondern nur wenn man ihnen mit einer gewissen innerlichen Fertigkeit und mit jüdischem Selbstbewußtsein, im besten Sinne des Wortes, gegenübertritt. Solche differenzierenden Leutchen werden sich immer beugen vorder Macht einer ganzen Persönlichkeit. Ferner fordert Turnbruder Kaminski einerseits »die Männer und reiferen Jugendturner können sich ihren Neigungen und körperlichen Veranlagungen entsprechend, für einen dieser Züge entscheiden, müssen dann aber bis zur nächsten Wahl, die etwa alle drei Monate vorgenommen werden, könnte, in demselben verbleiben." Er gibt also hier ganz bewußt dem Einzelnen die höchste Ausbüdungsentscheidung selbst in die Hand, trotz-' dem er am Anfang seiner Darstellungen unter Bezugnahme auf die geistige, und körperliche Struktur der Juden folgendes gefordert hat: .Besonder» betonen müssen wir demnach gewisse Zweige der Leibesübungen, die Mut und Entschlossenheit fördern, den Willen stärken und zu Gemeinsinn a