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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 6 (1919) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
6 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Rene Gedanken zur alten Arbeit.*) Von Heinrich Kuhn, Berlin, Zwei wertvolle Aufsätze, „Mädchenerziehung" von Johanna Tomaschewski und „Umgestaltung des Turnbetriebes" von Leo Kaminski, in der letzten Turnzeitung sind treffliche Wegweiser für unsere Arbeit. Sie machen den Versuch — und er glUckt 1 — unsere Erziehung endlich auf wissenschaftliche Grundlage zu stellen. Noch 1917 wurde meine Forderung nach pädagogischer Durchbildung unserer Erzieher von jenen bekämpft, die die technische Sicherheit auf dem Turnkatheder als die einzige Qualifikation unserer Jugendbildner ansahen. Das Resultat war auch hier der sicherste Beweisführer. Wir sind uns alle darüber klar, daß die von uns geleistete Arbeit „gut und schön" war, aber den wirklichen Erfolg nicht gezeitigt hat Lag es an unserem Zöglingsmaterial? Ich glaube das nichtf Es war eine Folge unseres geringen Erziehungsvermögens. Es ist nicht damit getan, unserer Jugend eine körperliche Uebung beizubringen, oder ihr etwas Jüdisches von außen heranzutragen. Wir müssen das Material, das wir verarbeiten und veredeln sollen, kennen lernen, um es richtig gestalten zu können. Unsere moderne Pädagogik hat mit der unrationellen Massenerziehung endgültig gebrochen. Unter unentwickelten Menschen gibt es keine Normaltypen. Die Psyche jedes einzelnen Kindes ist nach Vererbung und physiologischer Veranlagung verschieden. Daher kann man sie nicht unterschiedslos und gleichmäßig behandeln. Solange wir uns nur das Ziel gesetzt hatten, die Jugend körperlich gesund und leistungsfähig zu entwickeln, konnten uns diese Fragen gleichgültig sein. In dem Augenblick aber, in dem wir in ihr Glieder ein/es Volkes sahen und sie dem gleichen volksziele zuführen wollten, durften wir an dieser Erkenntnis nicht mehr achtlos vorübergehen. Es gilt das anfänglich rein realistisch gerichtete und egoistische Wesen zu einem idealistischen Vorstellungsleben und zum altruistischen Wollen zu führen. G. Wolff (? Pädagogische Erfahrungen eines Landsturmmannes") sagt: Die erste Umbiecung des egoistischen Gefühls erfolgt durch die Familie. — Ich will mit Woln nicht darüber streiten, ob es sich hier um ein Gefühl oder um eine Vorstellung im Unbewußten handelt; aber eine Nutzanwendung will ich aus dieser Erfahrung ziehen: Der Erzieher muß erkennen, wie weit die Umbiegung dieses natürlichen Egoismus bereits gediehen ist, und wie das Leben des Kindes in der Familie diesen Prozeß fördert. Dazu gehören — außer starker Fühlungnahme mit dem Elternhaus — mehr als durchschnittliche Kenntnisse. Die Individual- Psvchologie darf uns heute nicht mehr als etwas „Zuweitgehendes" erscheinen. Ihre Grundsätze müsseh bekannt sein und die daraus gewonnenen Schlußfolgerungen müssen praktische Anwendung finden. Mit ^"igen und Spielen sind die Aufgaben unserer lugendabteilungen nicht erfüllt. Für uns handelt es sich um die Höherzüchtung eines Geschlechts i *) Wir bringen Im Folgenden zwei Aufsätze, die sich mit dem letzten Artikel von f-«o Kaminski in verschildener Welse auseinandersetzen. Turnbruder Kaminski ist von i}"8 gebeten worden, steh im nächsten Heft der Turnzeitung noch einmal zu diesem Tnen» au äußern. D. Red. 0 s

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