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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · II (1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
II (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 59)
Language
German
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Martin Buber spricht in seinem schönen Geleitwort von Siedlung, Ari* £n(* ^Vacnt> worin die äußere und innere Geschichte der neuen Gemeinschaft enthalten sei. Jene drei Worte «eigen eine Linie der Entwicklung, die unbestreitbar aufwärts führt. Diese Kurve finden wir in jeder Gestalt des Buches wieder: vom städtischen Ghetto, das auch Jerusalem heißen kann, zum Boden Zions und dann weiter zum Wachtschute der jüdischen Arbeit, und ebenso gemeinsam wie diese Etappen des Weges ist allen auch der A n t r i e b, ihn zu beschreiten, die A r t, in der auftauchende Schwierigkeiten überwunden werden, und das Ziel, zu dem sie streben und gelangen. Der Antrieb zur Uebersiedelung nach Palästina ist in keinem Falle Gewinnsucht oder Spekulationswut, in kaum einem (der hier behandelten!) die materielle Notlage; es ist im Gegenteil ein tatkräftiger Idealismus, das lebensbestimmende Bewußtsein, daß ein „Zionist mit seinen H ä n d e n am Bau des Volkes arbeiten müsse", wie B a r a 1 einmal sagt. Die Wege der einzelnen sind freilich nicht immer die gleichen und ebenso wenig die Schwierigkeiten, die sich ihnen entgegenstellen: Turner und Achduti müssen den Widerstand der Eltern, Baral und Friedmann den schon erheblicheren der eigenen Gewohnheiten und Anschauungen bezwingen, aber gemeinsam ist ihnen die Art der Ueberwindung, mit der sie alle seelischen Konflikte wie auch die Unbilden der Witterung oder die Anfeindungen der arabischen Ueberzahl gern auf sich nehmen. Sie sind Helden in dem Sinne, den Thomas Mann in die Literatur eingeführt hat, als er von den „Helden des Trotzdem" sprach. Ja, sie sind wirklich solche Helden, denn auch in ihnen ist noch dieser Gegensatz, der die Vergangenheit ihrer Einzel- und Volkspersönlichkeit beherrscht hat; nicht nur äußerlich sind jene Widerstände, sondern jeder muß in sich das Ghetto niederkämpfen, in jeder dieser Seelen ringt 8er Jude mit Mauschel. Aber was diese Auseinandersetzung aus dem Bezirk literarischen Interesses in die Sphäre schöpferischer Klärung erhebt, ist die Tatsache, daß die zweite Generation, die Söhne jener Männer, ja auch schon die jüngeren unter ihnen selbst, nun wirklich die Einheit und Geschlossenheit als selbstverständliches Gut besitzen, die wir anderen nie werden gewinnen können. Ihr seelischer Konflikt wird geadelt Und gereinigt durch die selbstlose Hingabe an eine Idee, durch die Objektivierung dieser persönlichsten Dinge. Sie wollen der Sache dienen, geben alle Schätze und Bequemlichkeiten der Vergangenheit auf, um in einer harten, dornenvollen Gegenwart die lichtere und leichtere Zukunft des Volkes zu erkämpfen. Nicht unbelohnt bleibt ihr Leidensweg und mancherlei Blumen blühen daran. Sie entdecken die kräftigende Lust der Seele an der körperlichen Arbeit, den Segen der köstlichen Ermüdung von Knochen und Muskeln, und die gesunde Freude an der Natur, an Saat und Ernte. Und auch ihr Ziel ist das gleiche: sie erstrebten ein Leben der Einheit, sie fanden einen Tod, der solchen Strebens würdig ist, der alles erfüllt, was Rainer Rilkes betender Kriegsmann als letzte Gunst erfleht, wenn er ausruft: »Herr, gib mir meinen eigenen Tod!" Sie fanden ihren eigenen, ihren jüdischen Tod, und dieses Bewußtsein mag uns trösten für den Verlust so vieler wertvoller Helfer, ja es mag sie sogar im Vergleich mit den Brüdern, die als Opfer dieses Krieges gefallen sind, fast beneidenswert erscheinen lassen — aber uns entlastet nichts von unserer Verpflichtung. Wir wollen immer an die Abschiedsworte denken, die Freundeshand für den jungen, frischblühenden Moischke Barkis schrieb: „Wird ihm die Erde leicht sein? Nein! Erde ist nicht leicht, und nur die Arbeit, die Mühe und der Schweiß der Neuen, die seine Arbeit fortsetzen werden, wird die Stimme seines jungen Blutes stillen, das aus der Erde zu uns schreit." Zu jedem von uns schreit die Stimme seines jungen Blutes, jeder von uns muß diese Stimme stillen durch seine Arbeit. Darum: wer dieses Buch in dem Geiste gelesen hat, wer von seinen Helden ausgeht, der wird zwar keine „heiligsten Eide" schwören, aber seinen Körper stählen für die künftige Volks- -arbeit, der wird zwar keine Programme verfassen, aber etwa hebräiBch lernen. Unsere Arbeit wird nicht leicht sein, aber auch Erde ist nicht leicht. 8. Redaktion: Arthur Stein und Ernst Simon. Berlin W.35 Buchdruckerei Wilhelma R. Sallng & Co., Berlin SW.68, Hollmtnnstr. 10. 4

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