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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · II (1919) · p. Seite 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
II (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 41 (sequence 45)
Language
German
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Kriegserlebnisse i Entwicklung zum Zionismus Ein Feldbrief Ba ich den heutigen Abend Dir widmen wollte, so will ich Dir auch erzählen, wie ich zum Zionismus kam, da es vielleicht nicht gar zu viele gibt, die so ganz unbeeinflußt dahin gelangt sind. Im Elternhause habe ich keine positiv jüdische Erziehung genossen. Ich besuchte wohl die Religionsschule und lernte Hebräisch lesen, mehr aber auch nicht. Die Lehrer verstanden es nicht, in mir das Verlangen nach intensiverer Betätigung und Freude am Hebräischen zu erwecken. Die Freitag-Abende, die ich recht oft im Temftel verbrachte, waren für mich dagegen eine seelische Stärkung und brachten mich dem Judentum etwas näher. Das Gegenteil aber bewirkten die hohen Festtage. Mag sein, daß ich nicht den richtigen Gottesdienst gefunden hatte, aber es geschah nichts, was mich innerlich packen oder ergreifen konnte. Sicherlich hatte die Art des Gottesdienstes und das wenig andachtsvolle Beten der Gemeinde auch Schuld daran. Jedenfalls war mir ein wirkliches Beten, eine Verbindung mit Gott in dieser Atmosphäre nicht möglich. Im Osten habe ich das gesehen, was ich unter Gottesdienst verstehe, jenes Verlangen nach einer Aussprache mit Gott, jenes inbrünstige Beten, das, ohne Rücksicht auf die Umgebung, seinen Schmerz und seine Freude vor Gott ausbreitet. Dieses nicht einem Pflichtgefühl oder einer Religiosität, sondern einem heißen Sehnen nach Gott entsprungene Beten habe ich mit großer Freude und Genugtuung bei unseren Blutsbrüdern im Osten recht oft — auch nicht überall — angetroffen. Von Antisemitismus habe ich in meiner Jugend nicht viel bemerkt Nur in meinem Elternhause neigte man sehr schnell dazu, einen Christen, der einen jüdischen Witz etc. erzählte, einen Antisemiten psu nennen. Ich habe überhaupt die Ueberzeugung, daß mit diesem Worte viel gesündigt wird. Es ist für uns vielfach schon ein Schlagwort geworden, das oft und gern angewandt wird. Als der Krieg ausbrach, trat ich in den ersten Tagen des August als Infanterist ins Heer ein. Im Oktober 1914 ging's t* 41

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