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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · II (1919) · p. Seite 39

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
II (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 39 (sequence 43)
Language
German
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in einem Lande abhängig. Je mehr Juden vorhanden sind, desto deutlicher ist er. In einem Lande schlägt man uns tot, in einem andern kränkt man uns an der Ehre. In einem versagt man uns die formelle Gleichberechtigung oder schlieft uns tatsächlich von zahlreichen Berufen aus, in einem anderen, wo Juden jede Staatsstellung erreichen können, sind sie gesellschaftlich boykottiert. Ob man den Antisemitismus spürt, ist immer nur eine Frage des Feingefühls der Juden. Nicht auf die Aeußerungen des Antisemitismus kommt es an, sondern auf die innere Stimmung der Umgebung. Der nicht „geradezu lebensgefährliche", taktvoll verborgene Antisemitismus, den wir nur zu gut kennen, ist nicht weniger schlimm, als der laut lärmende, uns körperlich vernichtende. Nie ist ein Kampf mit schlechteren Mitteln geführt worden, als der sogenannte Kampf gegen den Antisemitismus. Er ist in Wahrheit nichts anderes, als ein Kampf gegen den Semitismus, gegen die jüdische Eigenart der Juden selbst. Man unterschied berechtigten oder unberechtigten Antisemitismus. Berechtigt schien der Antisemitismus gegen die schlechten jüdischen Eigenschaften, und man hielt, in Uebereinstimmung mit den Antisemiten, jüdisches Wesen überhaupt für eine schlechte Eigenschaft. Durch dauernde Kapitulation von dem Antisemitismus suchte man ihn zu besiegen. Feige Mimikry war die erprobteste Waffe in diesem Kampfe. Daß die geistigen Führer des deutsehen Volkes größtenteils judenfeindlich empfunden haben, wurde äußerlich bestritten. Der Antisemitismus mußte als eine Seuche dargestellt werden, von der nur anrüchige Elemente befallen werden können. Dennoch aber durfte man sich auch den „vorurteilslosen" Nichtjuden gegenüber, mit denen man zusammenkam, nicht in prononzierter Weise zu erkennen geben. Auch den Namen Jude legte man ab und empfand es als einen Beweis von Respekt, wenn man schonend als ein Mitbürger mosaischer Konfession bezeichnet wurde. Daß die Juden ein Volk sind, durfte beileibe niemand erfahren. Als während des Krieges eine Broschüre von Binjamin Segel erschien: „Der Weltkrieg und das Schicksal des jüdischen Volkes", da wurde auf die Intervention israelitischer „Größen" hin der Titel der schon erschienenen Schrift in folgender Weise geändert: „Der Weltkrieg und das Schicksal der Juden". Dieser „kluge Schachzug" kennzeichnet die Methode des Kampfes gegen den Antisemitismus. Wie kann jemand die Stirn haben, sich über Verachtung zu beklagen, der sich selbst so verächtlich ist, daß er seinen Namen und sein Volk verleugnet! Wen will man übrigens täuschen? Sogar die Selbstverleugnung dürfte nur den Dümmsten gelingen. Die Wirklichkeit unserer jüdischen Sonderart ist der wahre Grund des Antisemitismus- Der Antisemitismus ist ein Zeichen dafür, daß wir k 39

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