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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · II (1919) · p. Seite 38

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
II (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 38 (sequence 42)
Language
German
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Wesen aus. Niemals hassen Menschen aus Gründen. Die instinktive Abneigung ist das Primäre, und alle Begründungen stellen sich je nach den Umständen ein. Der überzeugende Nachweis von der Grundlosigkeit des Judenhasses bewiese nur, daß der Haß echt ist. In allen Zeiten starker religiöser Erregung gibt es religiösen Antisemitismus, in Zeiten starker wirtschaftlicher Spannung wirtschaftlichen Antisemitismus und so fort. Es ist aber immer dasselbe Gefühl, das nur eine andere Ausdrucksform gewinnt- Woher kommt nun diese Abneigung gegen die Juden? Ist wirklich das Entsetzliche wahr, daß es sich hier um eine Erscheinung handelt, die ihresgleichen in der Geschichte der Menschheit nicht findet, daß nur die Juden von diesem ewigen, unerträglichen Haß verfolgt werden? Das ist gewiß nicht der Fall. Zwischen Menschen verschiedener Art gibt es überall in der Welt Spannungen: zwischen allen Völkern herrscht ein Fremdheitsgefühl, das unter gewissen Bedingungen zur Abneigung wird. In normalen Zeiten wird die Spannung zwischen den Nationen deutlich nur an den nationalen Grenzen empfunden, wo die dauernde menschliche Berührung verschiedener Volkselemente den nationalen Kampf immer aufs neue erzeugt. Der Gegensatz der Nationen äußert sich vornehmlich als Randspannungsgefühl. Die nationalen Zentren bleiben unberührt. Die Nationen verstehen und würdigen sich in der Fülle ihrer Leistung. Sie hassen sich an der Peripherie ihrer Territorien. Auch der Antisemitismus ist nichts anderes als ein höchst intensives Randspannungsgefühl. Ueberau bilden die Juden Grenzen, überall berühren sie sich mit den anderen, nirgends gibt es einen Ort, wo jüdisches Leben in unberührter Kraft sich entwickelt, wo die Fülle der Leistungen entsteht, die auch von Fremdesten gewürdigt werden kann. Deshalb ist der Antisemitismus für uns nicht der Haß, sondern die Verachtung, die unzweifelhaft in ihm liegt. Daß wir allzu fremdartig sind, daß wir dem Orient entstammen und durch ihn zu einer mit keiner europäischen zu vergleichenden religiös-nationalen Kultur gebildet worden sind, hat ferner mit dazu beigetragen, daß das antijüdische Randspannungsgefühl sich mit Verachtung mischte. Für den europäischen Antisemitismus ist es charakteristisch, daß jede unangenehme Erscheinung des öffentlichen Lebens auf das Konto der Juden gesetzt wird. So wird man vielleicht noch einmal behaupten, daß sie die wahren Schuldigen am Weltkrieg sind, so werden alle peinlichen Erscheinungen des wirtschaftlichen Lebens ausschließlich dem jüdischen Einfluß zur Last gelegt. Die antisemitische Stimmung ist in allen Ländern der Welt gleich. Nur der Ausdruck dieser Stimmung ist verschieden- Die Stärke des Antisemitismus ist zunächst von der Zahl der Juden 38

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