Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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Unser Kriegserlebnis Uebef das Verhältnis des Juden zum Kriege ist während dieser vier Jahre und nach ihnen schon mancherlei geschrieben worden- Das Meiste aber war in apologetischer Tendenz verfaßt, mit der ausgesprochenen Absicht, den „Anderen" zu beweisen, daß wir uns doch nicht gedrückt hätten, daß wir prozentual ebenso viele Flieger und Ritter des Eisernen Kreuzes I. Klasse in unseren Reinen zählten als sie, daß wir keineswegs minderwertige Soldaten gewesen seien, mehr Kriegsanleihe gezeichnet und überhaupt in allen Ehren bestanden hätten. Es mag ja sein, daß derartige Zusammenstellungen notwendig und nützlich sind; es besteht wohl ein Zwang, antisemitischer Statistik mit jüdischer entgegenzutreten, vielleicht ist es sogar ein Verdienst, jedes jüdische Ruhmesblättchen zu zählen und zum Kranze unseres kriegerischen Lorbeers zu winden; wir jungen Juden, die wir wirklich jung und wirklich Juden sind, erklären aber, daß uns diese Art von Kriegsbetrachtungen zum mindesten nicht liegt. Wir haben es längst aufgegeben, die „Vorurteile" der Antisemiten durch Material und Argumente zu zerstreuen. Zwar führen wir einen sachlichen und notwendigen Kampf gegen sie, aber wir haben allmählich darauf verzichtet, unser Verhältnis zu ihnen mit hgend einer wärmeren Anteilnahme zu betrachten; wir konzentrieren unsere Aufmerksamkeit vielmehr auf unsere eigenen inneren Probleme, die wir gedanklich oder instinktiv-lebendig zu klären versuchen. Und wenn ich deshalb heute von unserem, von meinem jüdischen Kriegscrlebnis erzählen soll, so darf man weder Schlachtberichte noch Heldentaten erwarten; auch vom Antisemitismus und verwandten Dingen wird man nur so viel zu hören bekommen, als sie meinen Rückweg zum Judentum irgendwie gestaltend beeinflußt haben. Nach diesen Vorbemerkungen allgemeinerer Natur muß ich nun leider noch einige Worte persönlicher Färbung folgen lassen, um den Gesichtswinkel zu bezeichnen, unter dem sich mir die Dinge darstellten. Deshalb sei erwähnt, daß ich hier nicht das Erlebnis derjenigen schildern kann, denen bereits vor dem Kriege ihr Judentum Wirklichkeit geworden war und die in den blutigen Jahren nur eine Bestätigung ihrer Gedankengänge und gefühlsmäßigen Voraussetzungen erhalten haben, daß ich ferner an denjenigen vorübergehen muß, die das große Glück hatten, im Osten, m.