Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Journal
- Jüdische Turn- und Sportzeitung
- Volume
- 20 (1919)
- Issue
- I (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Olympischer Sport Die Wiedergeburt des jüdischen Volkes muß auch die Durchbildung des jüdischen Körpers erfassen. Wir schätzen nicht den einsamen Stubenhocker, der fremd aller Kraft, fremd aller Schönheit des Körpers dahinlebt, ebenso wie wir den „Nur-Athleten" verachten, dem alle geistigen Interessen fehlen. Was nützt alle Gelehrsamkeit, was nützt aller Intellekt dem Einzelnen und dem Volke, wenn die körperliche Grundlage ungesund ist? England und Amerika verdanken nicht zuletzt ihre Stellung der Erkenntnis und der Durchführung der großen nationalen Aufgaben, die jedes Volk auf dem Gebiete der Körperpflege und der Hygiene zu erfüllen hat. Geistig wie körperlich müssen wir ganze Menschen heranziehen, ein starkes, gewandtes, ein gesundes Volk. Deshalb ist der Sport für uns eine nationale Pflicht. Deshalb ist Sport Gesinnung. Der Aufschwung, den in letzter Zeit die Leichtathletik in Deutschland genommen hat, beweist, daß man auch hier den nationalen Wort des Sportes erkannt hat. Im Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zeigten zum ersten Male Engländer in Hamburg den Deutschen, wie Leichtathletik getrieben wird. Die neue Bewegung fand bald Anhänger, und mit dem Wiederaufleben der olympischen Spiele wurde in weiten Kreisen reges Interesse für den olympischen Sport geweckt. Es gründeten sich bald Sportvereine, und ihre Zahl wuchs mit der Zeit immer mehr. Auch die Turnvereine richteten, der Zeit folgend, Sportabteihmgen ein. Die Leichtathletikvereine sind heute in Bezirksverhänden zusammengefaßt, deren Oberhaupt die Deutsche Sportbehörde für Athletik bildet. Seit dem Aufblühen der Leichtathletik bestehen heftige Fehden zwischen den Anhängern dieser Sportart und den Turnern. Wir haben es nicht nötig, hier mitzustreiten; denn es wäre unsinnig, Gegensätze zu schaffen, die überflüssig sind. Die Definition, die Friedrich Ludwig Jahn, der Schöpfer des deutschen Turnens, im Vorbericht seines Buches „Turnkunst" gibt, läßt erkennen, daß Jahn unter dem Worte „Turnen" denselben Sammelbegriff verstanden wissen will, den man heute mit Sport bezeichnet. Jahn versteht unter Turnen garnicht in erster Linie die Geräteübungen, sondern er mißt dem Fechten, Schwimmen, Rei- 3 3?