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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · I (1919) · p. Seite 31

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
I (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 31 (sequence 31)
Language
German
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Entschlußkraft und Tapferkeit sich dort entfalten kann, sondern daß der Einzelne unter der suggestiven Einwirkung einer öffentlichen Schaustellung ein eingedrilltes Verhalten automatisch betätigt. Die utopische Hoffnung, den Antisemitismus auf dem Paukboden widerlegen zu können, haben wir nie geteilt, weil wir wußten, daß der Judenhaß uns nicht um unserer Schwächen sondern um unserer Existenz willen befeindet. Aber mit dem Erstarken unserer Gemeinschaft wuchs die Unlust, sich den von uns verurteilten Ehrbegriffen der anderen anzupassen, unsere Gefühle zu vergewaltigen, um eine Genugtuung zu erhalten, die gar keine ist, und die sogar ein starker Teil der in neuem Geist aufgewachsenen deutschen Jugendbewegung als veraltet ablehnt. Die Erkenntnis, daß der Fortschritt unseres eigenen geistigen Lebens und die Festigung unserer jüdischen Persönlichkeit nicht mehr vereinbar sind mit dem Zustande, daß zum Selbstzweck gewordene Formen ihre Forderungen a.n uns richten und die ihnen innewohnende Idee uns aufzwingen, hat zu der Entwicklung geführt, in der wir noch heute stehen und die wir die Erneuerung unseres Kartells nennen. Ihr Endziel ist harmonische Gestaltung unseres Lebens durch Anpassung der Gemeinschaftsformen an die Idee, und gleich zu Beginn dieses Weges mußte das uns wesensfremde Satisfactionsprinzip fallen: die Satisfaction mit der Waffe wurde abgeschafft. Wir freuen uns ehrlich über diese Entwickelung und begrüßen sie als Fortschritt, weil sie unser inneres Erstarken, unsere wachsende Selbstsicherheit erweist und manifestiert, daß wir es gelernt haben, unseren jüdische!) Stolz anders darzutun als durch Eingehen auf den veralteten und unsozialen Ehrbegriff der deutschen Studentenschaft, daß wir unabhängig zu werden beginnen vom Urteil anders Georteter und Außenstehender und nur noch einen Richter über uns anerkennen: das eigene ethische Empfinden. Wir wissen, daß unser nationales Ehrgefühl, das Reagieren auf antisemitische Beleidigungen davon nicht betroffen werden können, daß unsere Hellhörigkeit hierfür die alte bleiben wird, nur daß wir ehrenhafter sein werden, weil wir ehrlicher sind. Es bleibt unsere Aufgabe, den Einzelnen zu wirklicher Mannhaftigkeit, zu Mut und Selbständigkeit zu erziehen, die bei Verzicht auf den Komment mit seinen angelernten Phrasen allein eine männliche und würdige Erledigung von Ehrenangelegenheiten ermöglichen; wir wissen aber auch, daß nur hierin, nur in der Befähigung zu selbständigem, mannhaftem Handeln das Ziel unserer Erziehung liegen kann. Wir verzichten darauf, eine Norm für die Erledifang von Ehrenangelegenheiten aufzustellen, und überlassen die inzelheiten dem Temperament und dem Geschmack unserer öundesbrüder, betonen aber den Standpunkt, daß wir nur eine Art von Ehrenhaftigkeit anerkennen und daß wir den Arbeiter, oer uns beleidigt, nach denselben Grundsätzen behandeln wie den 3 31

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