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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · I (1919) · p. Seite 12

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
I (1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Schwinden war, und dem überlauten Antisemitismus damals entgegengetreten zu sein. Aber eine akademische Jugend, der es genügt, e i n mal das Notwendige erkannt und getan zu haben, und die sich sträubt, mit geschärftem Ohr ohne Unterlaß auf die Regungen ihrer Gemeinschaft zu lauschen, wird von der Entwicklung in Versteinerung zurückgelassen. DerZusammenschluß der Juden ist heute ebenso selbstverständlich, wie die Abwehr gegen den Antisemitismus, und die Art, in der beides beim K. C. durchgeführt wird, ist längst überlebt. Die Bedeutung des Auftretens nach außen wird in der modernen Großstadt-Universität, auch sonst infolge des Bemühens aller Studentenverbände, die „"Ramschereien" einzudämmen, immer mehr in normale Grenzen zurückgeführt. Die Art, wie das Satisfaktionsprinzip gehandhabt wird, ist geeignet, auch den zum Teil vernünftigen Inhalt, den der Sätisfaktionsgedanke haben kann, zu ertöten. Die meisten Versuche, Satisfaktion zu erhalten, werden in Formelkram erstickt. Die Frage des „Nachziehens" und des „Belegens" ist meistens ausschlaggebend und nicht der Gesichtspunkt, ob die Beleidigung gesühnt oder sonst erledigt wird. Betrachtet man aber den „Kampf" der deutschen Juden gegen den Antisemitismus im großen, außerhalb der Universitäten, so wird es auch im Lager der Assimilanten nur wenige geben, die bei dieser kleinlichen Apologetik nicht erhebliches Unbehagen empfänden. Den Antisemitismus kann man nicht beseitigen; es ist aber unsere Sache, ihm würdevoll entgegenzutreten. Das vermag nur eine Gemeinschaft, die dem Einzelnen und damit sich selbst, wieder das Distanzgefühl anerzogen hat, die sich als das erkennt, was sie ist, die aus dem ihr gehörigen Gebiete heraus jeden Unbefugten zurückjagen kann, der sich über die Grenze verirrt, kürz, die das Leben ihres Volkes wirklich fühlt. Gerade z. B. in der sog- Ausländerfrage haben die K- C.'-er oft gezeigt, daß ihnen das feine Organ für die Aeußerungen des Antisemitismus fehlt. Es kommt heute nicht mehr ausschließlich darauf an, den Vorwurf persönlicher Feigheit in pleno zu widerlegen, dieser Vorwurf ist an den Universitäten heute — zum Teil zweifellos auch durch die Bemühungen des K. C. — in seiner Allgemeinheit verschwunden, tmd doch hat sich der Antisemitismus in nichts gemindert. Es erscheint auch läppisch, auf einer Mensur mit Binden und Bandagen den mathematischen Beweis für das Vorhandensein des persönlichen Mutes zu erbringen, nachdem man vier Jahre lang mit Bomben und Granaten um sich geworfen hat, und zu einer Zeit, in der jeder Berliner Schusterjunge, der einen Gang zu machen hat, weiß, daß er an der nächsten Straßenecke über den Haufen geschossen werden kann. Im Einzelfalle gibt es handgreifliche und wirksame Mittel, um jedem antisemitischen Ausbruch die pünktliche und schlagfertige Antwort zu geben. Es war früher eine Tat, jüdische Studenten zu- 12

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