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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 2 (1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
2 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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sie ist der träger der Zukunft, von deren körperlicher Beschaffenheit die Gesundheit der kommenden Geschlechter abhängen wird. Unsere Turn- und Sportvereine sind darum mit der Hauptarbeit, die sie übernommen haben, auf dem besten Wege. Natürlich müssen die notwendigen Voraussetzungen gegeben sein. Die Leitung muß technisch gut, moralisch vorbildlich und bewußt narionaljüdisch sein. Für unsere Frauen- und Mädchenabteilungen ist dabei eine weibliche Führung durchaus erwünscht. Der Betrieb dort muß sich ganz anders gestalten als in den Männerabteilungen. Er muß der physischen und psychischen Eigenart der Frau Rechnung tragen. Eine Turnstunde der Frauen muß an Uebungsstoff wie Kommando ihr ganz besonderes Gepräge haben. Disziplin muß vorhanden sein, aber nicht jener militärische Zug, dei, mag das Militärische heute auch noch so verpönt sein, in den Männer,riegen nie ganz wird fehlen können. Dem allen wird in vollem Maße nur unter der Leitung einer Frau entsprochen' werden können, wenn damit auch nicht endgültig behauptet werden soll, daß nicht auch manche Männer imstande sind, erfolgreich in Frauenabteilungen zu.wirken. Jedenfalls sollte man, vor die Wahl gestellt, hier immer der Frau den Vorzug geben. Sind diese Vorbedingungen erfüllt, so werden die Leistungen des Turnvereins über seine scheinbar äußerliche Tätigkeit weit hinausgehen. Denn durch Turnen und Sport werden nicht nur die Muskeln gestärkt, es werden dadurch ebenfalls moralische Werte erzeugt, wie sonst nur bei wenigen Gelegenheiten. Mit der körperlichen Widerstandsfähigkeit wächst gleichzeitig auch die moralische. Ein rechter Turner weiß seine Müdigkeit zu meistern, bei Schmerzen die Zähne zusarnmenzubeissen und seine Pflicht zu erfüllen. Und das zeigt sich, wie auf dem Turnboden, ganz selbstverständlich auch überall sonst. Oder ein anderes Bild: Nicht immer gelingt eine.Arbeit gleich beim ersten Anhieb, und wohl demjenigen, der dann picht gleich die Flinte ins Korn wirft, der dem ersten Versuch gern einen zweiten und einen dritten folgen läßt, bis schließlich sein Wollen erfüllt wird. Mit Ausdauer kann man viel, ich möchte fast sagen alles erreichen. Sie ist beinahe mehr wert als Begabung. Es liegt in unserer Macht, sie uns anzueignen, und — das ist's worauf ich hinaus will — das Turnen ist ein auserlesenes Mittel da^u. Es ist eine der reizvollsten Beobachtungen m der Turnhalle, zu sehen, wie da immer und jrnmer wieder Anlauf genommen wird, bis das vorgesteckte Ziel erreicht ist. Die so gewonnene Energie wird hinausgenomirlen ins Leben; sie bildet die Grundlage jedes Glückes. Wie durch das Turnen der M u t gefördert wird, das hier näher auszuführen, ist wohl überflüssig. Aber etwas anderes soll nicht ungesagt bleiben: Wer sich körperlich regt, wer imstande ist, seine Glieder in immer neuen Kombinationen zu bewegen, der bleibt auch seelisch rege und anpassungsfähig, .Wer turnt, bleibt jung. Der Turnboden ist eine Heimstätte der Jugendlust, der jugendlichen Elastizität und des jugendlichen Optimismus. So ist also das Turnen an sich ein Erziehungsfaktor ersten Ranges; zunächst in allgemein menschlicher, in unseren Vereinen aber auch ganz besonders in jüdischer Beziehung. Unauffällig' muß diese Einwirkung 8«in, wie es einem wahrhaft guten Erzieher ansteht. Durch das Eingereihtwerden in eine Riege jüdischer Turner wächst ganz unbewußt das jüdische Zusammengehörigkeitsgefühl. Wer anfangs als ganz Gleichgültiger

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