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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1919-01-01 · 1 (1919) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
20 (1919)
Issue
1 (1919)
Date
1919-01-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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geprägt ist als der in der übrigen Welt naturnotwendig auftretende Kampf der Generationen. Dort, wie bei uns, ist die alte Generation nicht imstande, der Jugend ein geschlossenes Weltbild, aktivierende Lebensinhalte, in deren gemeinsamer Betätigung die Generationen versöhnt werden, zu übermitteln. Jene Jugend und wir müssen aus eigener Kraft unsere Vorstellung von der Welt an sich und unsere Beziehung zu ihr von Grund aus neu aufbauen und erleben die gleichen Freuden und Leiden, Hoffnungen und Enttäuschungen dieser Entwicklung. Die I s o lieru n g der Ostjuden konnte allerdings in den letzten Dezennien eine geistige Annäherung an die Umwelt in größerem Umfange nicht verhindern, hat aber doch ihre geistige Struktur maßgebend beeinflußt. Durch die Abschließung vom politischen Leben der Gesamtheit, durch die Beschränkung des Wohnrechts auf die Städte und die daraus folgende Absperrung von der Natur, durch die Abdrängung von der Urproduktion wurde die jüdische Seele von der Außenwelt in solchem Grade gelöst, daß sie als Kompensation ihre spekulative Tätigkeit, die Beschäftigung mit rein geistigen Problemen immer weiter ausdehnte. Allmählich hat diese Flucht aus der Welt der Tatsachen zu einer Verkümmerung des Sinnes für die aus den Realitäten sich ergebenden Zusammenhänge geführt. So können wir — auch bei den jüngeren, von der Assimilation beeinflußten Elementen — vielfach eine fast krankhafte Vorliebe für blutlose Theorien beobachten. Insbesondere bei der Beurteilung politischer und sozialer Zusammenhänge beschränkt man sich, statt in allerdings mühevoller Arbeit die Tatsachen auszuwerten, auf Konstruktionen, die den Gefühlen und Wünschen entsprechen, oder nimmt kritiklos die in LeitartiJceln versetzten Meinungen hin. Mit geradezu kindlichem Optimismus haben z. B. mir befreundete intelligente Ostjuden der verschiedensten Richtungen die Wirkungeu der russischen Revolution hinsichtlich der Judenf rage beurteilt. Lediglich auf den einlaufenden Pressenachrichten fussend, waren sie nach Aufhebung der rechtlichen Beschränkungen durch die neue Regierung felsenfest davon überzeugt, daß das neue Rußland geradezu ein Paradies der Juden sein würde — bis die sich überstürzenden Pogrom nachrichten ihnen die bittere Wahrheit offenbarten. — Ein Erlebnis aus dem Jahre 1917 mag als weitere Illustration dienen. Nach Beendigung einer Herzlfeier in einer größeren litauischen Stadt brachte die Versammlung unter den Klängen der Hatikwah die jüdische Fahne in den Merkas zurück. Ein Rest der Teilnehmer zog im Hochgefühl der Stunde — trotz Abratens der anwesenden deutschen Zionisten — mit Gesängen und Hedadrufen weiter bis an den Markt in die Nähe des deutschen Olfizierkasinos; Die dort fungierende Militärpolizei glaubte natürlich an eine deutschfeindliche Demonstration, verhaftete 2 Hauptteilnehmer und trieb die übrigen auseinander. Es folgte Vernehmung der Inhaftierten und des Präsidiums der zionistischen Vereinigung, Durchsuchung des Merkas und endlich Einstellung des Verfahrens. Am Tage nach der Versammlung unterhielt ich mich im Merkas über den Zwischenfall und nahm an, daß man die Angelegenheit als unnötige und schädliche Demonstration jugendlicher Heißsporne abtuen würde. Statt dessen hielt man mir von einigen Seiten folgendes entgegen: Die Stadt sei eine j üdische Stadt und die Juden hätten da* Recht, in ihr zu demonstrieren, soviel sie wollten; die Demonstranten hiitten in jenen Minuten der Begeisterung sich seelisch nach Palästina H

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