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Jüdische Turn- und Sportzeitung · 1918-01-01 · [o. Nr.] (1918) · p. Seite 17

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Journal
Jüdische Turn- und Sportzeitung
Volume
19 (1918)
Issue
[o. Nr.] (1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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seine eigene Stellung als Jude im Verhältnis zum Deutschen ihn auch am klaren Erfassen seiner Stellung zu den Ostjuden hindert. Er ist sich seiner Sympathie für jene wchl bewußt, fühlt sich aber gleichzeitig innerlich den Deutschen verbunden und wird überdies noch durch Parvenugefühle — wenn auch nicht im gleichen Grade wie der assimilierte Jude - vom Wesentlichen abgelenkt. Er kehrt als dieselbe schwankende Gestalt, als die er „aus seiner deutschen Heimat* hinausgezogen ist, wieder zurück und wird, wenn er über die Ostjuden urteilt, mit Respekt von ihrer Frömmigkeit ihrem Bildungsdrange, ihrer Gastfreiheit und anderen Vorzügen, mit leichtem Spott von ihren Mängeln sprechen, ohne sie in ein festes Verhältnis zu sich selbst zu bringen. Voll innerer Spannung naht der j ii d i s chn a t i o u aI e deutsche Soldat den Ostjuden. Die für seine innere Fundierung maßgebende These Herzls: „Wir sind ein Volk, ein Volk", hat er sich bisher durch blutlose Denkoperationen, historisch-kritische Ueberlegungen, verzwickte argumenta e contrario und sonstige Surrogate beweisen müssen, jetzt soll ein lebendiges Gefühl billigen oder verwerfen. Es kann vorweggenommen werden, daß wohl fast sämtliche jüdisch-nationalen Soldaten Deutschlands mit von quälender Spannung befreitem Aufatmen die völkische Einheit des Judentums erlebt haben und seitdem von diesem Gefühle erfüllt sind. Auf dem einzig gangbaren Wege, dem der Liebe, ist es ihnen gelungen, über Aeusserlichkeiten hinweg zu den Herzen der Ostjuden vorzustoß.en. Es darf in Parenthese betont werden, daß auch bei den Ostjuden selt dem Kennenlernen der zionistischen Soldaten befreit aufgeatmet wurde. Nach 'Hänchen Enttäuschungen, die sie mit jüdischen Soldaten erlebt hatten, traten ihnen endlich Gestalten gegenüber, die nicht dem von Achad Haam gezeichneten Typ der Westjuden entsprachen. Bei aller Annerkennung dieser Tutsache muß aber doch festgestellt werden, daß auch der zionistische So\dat in zahlreichen Fällen bti der Bildimg seines Gesamturteils über die ().stjti(lcu zu fehlerhaften Ergebnissen kam Die orientierenden Aufsätze jüdischer Zeitschriften hatten ihm immer wieder den der Wirklichkeit entrilekten, vom Studium des Talmuds oder von nationalen Zukunftshoffnungen ^'füllten Ostjuden vorgefürt. Die ostjüdische Gemeinschaft erschien immer nieder ausgezeichnet durch Einheitlichkeit des Denkens, beherrscht von Patriarchalischen Gefühlen im Familien- und Eheleben. Diese vom Herrnteldstandpunkte abrückende, an sich ja durchaus erfreuliche Betrachtungsweise hatte in der Seele des nationalen jüdischen Soldaten eine Art Idealbild des Ostjuden geschaffen, zu dem er im Gefühl seiner eigenen durch *'ie Assimilation herbeigeführten inneren Gewißheit, seines ihm unjiidiseli vorkommenden Hinneigens zu den äußeren Erscheinungen des Lebens andachtsvoll emporblickte. Im Osten angelangt, suchte er naturgemäß in erster Linie mit jüdisch-nationalon Kreisen Fühlung zu nehmen. Hier sehien ihm die Wirklichkeit seine vorgefaßte Meinung zu bestätigen. Die zahlreichen Anregungen, welche er aus diesen Kieisen empfing, fesselten 'nn in solchem Maße, daß er gar nicht oder nur wenig zum Erfassen der ntannigiachen Erscheinungen des ostjüdischen Lebens, die nicht zu seinem "hantasiebikl paßten; gelangte, sondern dazu neigte, grundsätzlich in den 9stjuden Vertreter seines Idealbildes zu sehen. Diese idealisierende Auf- 'assung führte sogar in manchen Fällen soweit, daß die Betreffenden offenbar 17

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