Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 1916-1918
- Issue
- Dritte Kriegsnummer (Februar 1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 No. 3 Zu Purim. Es ist nicht uninteressant, daß, die Ereignisse, von welchen das Purimbuch erzählt, nach den Ueberlieferungen der Midraschim sich von einem Hintergründe abzeichneten, der vielfadhe Aehntichkert mit dem Galuthzustande der heutigen Judenheit aufweist. Weite jüdische Kreise waren im Perserreich der Assimilation verfallen, welche besonders in der Hauptstadt Susa ihre Opfer forderte. Zu dem großen Festgelage des Königs Achasdhwerosch strömten massenhaft, so heißt es, Perser und Perserinnen „mosaischer Konfession"; sie aßen und tranken wacker mit und vergaßen beim Fraternisieren jeder Selbstwürde. — Es liegt nahe, in der Bewegung, welche Haman bald darauf entfesselte, eine Art Reaktion zu erblicken gegen diese allzuweit getriebenen Anpassung«- und Verschmelzung8' tendenzen. Er würde seinen Mordplan nicht unternommen haben, wenn er sich nicht auf die Mithilfe unzufriedener persischer Volkselemente hätte verlassen können. — Es scheint, daß der angedrobte und vorbereitete Pogromfeldzug die günstige Folge hatte, daß viele persische Juden zur Besinnung kamen und sich wieder auf ihre nationale Ehre besannen; das Vorbild Mordechais, der sich mit Stolz „Hajehudi" nannte, mag seinen Eindrude nicht verfehlt haben. — Mit dem Tode Haman's war ja die Gefahr nicht beschworen. Da nach den Persischen Gesetzen eine einmal ergangene königliche Verordnung nicht widerrufen werden konnte, galt es, Maßnahmen zu treffen, um dem obrigkeitlich genehmigten Judenmassacre zu begegnen. Ein königl- Fermän gebot: Lih’jot Hajehudim athidim lajom haseh „daß die Juden sich für jenen Tag bereit halten sollten". Wir lesen von den siegreidhCT Kämpfen, welche die Juden ihren Feinden, den persischen, „schwarzen Hundert" und ihrem Anhang, geliefert haben. Das läßt auf vorbereitende Maßnahmen schließen, ln den Monaten, weldie zwischen Haman’s Sturz und dem behördlich festgesetzten Ausbruch der Unruhen vergingen, mußin der persischen Judenheit eine großartige Organisation der S e 1 b s t w e h r ins Leben gerufen worden sein. Wie im einzelnen diese Organisation arbeitete, entzieht sich unserer Kenntnis. Wenn Analogieschlüsse aus der Gegenwart erlaubt sind, wird es an körperlichen Uebungen und Waffenspielen nicht gefehlt haben, und die Selbstwehr muß das Korrelat der mächtigen „jungjüdischen“ Bewegung gewesen sein, welche durch die Ereignisse am1 Achämenfdenhof im ganzen Reiche hervorgerufen wurde. — Wir dürfen mit Stolz auf je“® Tage zurückblicken. Der Schild, der die jüdische Existenz verteidigte, blieb bei den Kämpfen unbeschmutzt. Dafür zeugt die ausdrückliche und wiederholte Angabe der hl. Schrift: „An die Beute legten die Juden nicht ihre Hand.“ Wenn gewisse nichtjüdische Kommentare v°n jüdischer Rachsucht und Blutgier fabeln, so ist das, wie so oft, tendenziöse Unterstellung. Nicht die Schilderung des Prunkes und Glanzes der Hofhaltung *n Susa und auch nicht der dramatisch spannende Aufbau der Erzählung machen uns die Megillah wertvoll. Das merkwürdige Buch, in welchem