Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 1916-1918
- Issue
- Zweite Kriegsnummer (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/6492379-5965033-5965371--492-4922668- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 2 7 Jüdischer Ruderklub Ivria. Das Kriegsende ist immer noch nicjit abzusehen. Unter diesen Verhältnissen gehörte das Jahr der Jung Ivria, Jahrgang 1897 und 1898. Wir müssen aber hervorheben, daß alle anwesenden alten Ivrier uns durch aktive Teilnahme an sämtlichen Veranstaltungen unterstützten, ein Beweis der ernsten Pflichtauffassung unserer Senioren. Ofienbar können auch erhebliche Altersunterschiede die Freude an gemeinsamer Arbeit bei uns kaum beeinträchtigen. Selbstverständlich widmeten auch sämtliche Urlauber ohne Ausnahme uns einen erheblichen Teil ihrer kurz bemessenen Erholungszeit. Im großen und ganzen bewegte sich die Arbeit in den bewährten- Bahnen. Im obligatorischen Sonntagsbetrieb wurde entweder vormittags trainiert, nachmittags die übliche Kaffeefahrt gemacht, oder, wenn die Trainingsanforderungen es gestatteten, eine Tagestour unternommen. Unter der Leitung der Instruktoren fanden außer Sonntag wöchentlich einoffizieller und offiziöser Ruderabend statt. Die beiden Monate vor der Regatta stetlten natürlich erheblich höhere Anforderungen. Daß während des 'Betriebes sowohl am Steg wie auf der Tour das Schwimmen nicht zu kurz kam, bedarf kaum der Erwähnung. Stafetten, Wald und Einzelläufe waren fast regelmäßig mit jeder Tour verbunden. Im Winter, in -dem bisher der Sonntagsibetrieb regelmäßig weiter fortgesetzt werden konnte, regten sich die Glieder beim Turnen einmal wöchentlich. Die Turnfrequenz betrug ca. 80 Prozent im Durchschnitt. Außerdem findet Basslnrudem statt. An einigen zum Rudern nicht geeigneten Sonntagen wurden Wanderungen veranstaltet. Wir beteiligten uns auch mit zwei Mann bei dem Stafettenlauf Potsdam- Berlin im „Bar-Kochba“. Wie bekannt, erreichte dieser als 13. und 45. das Ziel und gewann den für Turnvereine ausgesetzten Preis. Am Schauturnen des „Bar Kochba“ nahmen wir teil. Mit Befriedigung können wir am Ende dieses Jahres feststellen, 4aß unsere zähe Arbeit sich nun auch in äußeren sporttichen Erfolgen zu lohnen beginnt. Auf der Jugendruderverbandsregatta konnten wir im zweiten Vierer und im Anfängervierer zwei erste Preise erringen, was uns die Anerkennung einer breiten Oeffentlichkeit eingetragen hat. Wir können feststellen, daß seither der Name Ivria bei Angehörigen und Freunden des Wassersports mit Respekt genannt wird. Mit Interesse werden auf dem Wässer unsere Boote mit dem langsamen Schlag und dem blitzschnellen Vorgehen aus der Rückenlage beobachtet. Jedoch nicht nur ruderische, sondern auch leichathletisch konnten wir hervortreten und auf den Konkurrenzen des Jugendruderverbandes (Schwimmstafette, Laufstafette, Tauziehen und Kugelstoßen) am 9. 7. drei erste Preise landen, die jetzt gemeinsam mit den beiden Bezaleltellern der Zionistischen Vereinigung unsere Bootshauswohnung schmücken. Wir glaubten hiermit zeigen zu können, daß wir unsere Leute keineswegs eintönig ruderisch ausbilden, sondern die allseitige körperliche Entwicklung unserer Mitglieder fördern. . Es liegt-auf der Hand, daß unsere Erfolge das jüdische Bewußtsein unserer jungen Mitglieder stark fördern. Es den anderen mindestens gleichtun zu können, festigt ln uns die Ueberzeugung, daß wir Juden der körperlichen Arbeit vielleicht entwöhnt, im Grunde aber physisch eine durchaus gesunde und lebensfähige Rasse sind. Gerade bei unseren jetzigen Junioren können