Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 4 (Juli 1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- Seite 116 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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ltb No. 4 Im Zusammenhänge mit meinen Letzten Ausführungen, welche unserer Betätigung in der breiten jüdischen Oeffentlichkeit gegolten haben, wird es notwendig sein, daß ich mich kurz auch über die Stellungnahme zu jenen Korporationen und Organisationen ausspreche, auf die wir notgedrungen bei unserer nach außen gerichteten Arbeit stoßen müssen; es sind dies die jüdiscnnafionalen und zionistischen Organisationen einerseits, andererseits alle übrigen jüdischen Korporationen und schließlich die fremdnationalen Turn- und Sportverbände. Was zunächst unser Verhältnis zu den jüdisch-nationalen und zionistischen Organisationen anlangt, so ist dasselbe ohne Frage auf das freundt schädlichste auszugestalten. Gegenseitige Unterstützung und Hilfeleistung wird stets im Interesse beider Teile liegen. — In der obersten Leitung der jüdisch-nationalen und zionistischen Organisationen muß unserer Kreisleitung eine gewichtige Stimme eingeräumt werden; in den nationalen Organisationen niedrigerer Ordnung entscheidenden Einfluß zu gewinnen, wird Aufgabe der Vereins- und Bezirksleitungen sein. Es scheint mir auch zu den Pflichten der einzelnen Vereinsleitungen zu gehören, daß sie selbst sowie die ihnen unterstehenden Mitglieder sich auch für die Mitarbeit bei anderen nationaljüdischen Organisationen zur Verfügung stellen. Weittragende Bedeutung käme einer Einflußnahme unserer Vereine auf die Kultusgemeinde-Vertretung ihres Sitzes zu, und die Vereinsleitungen sollten konstant bemüht sein, Einfluß speziell auf das Jugenderziehungs-Referat im Kultusamte zu gewinnen. Die derzeitigen Kultusgemeindevertreter müssen, sofern sie unserer Turnerschaft fremd oder gar feindlich gegenüberstehen, über die große Bedeutung unseres Strebens für die körperliche Hebung der Juden informiert werden, wobei die der Kultusgemeinde obliegende Unterstützungspflicht nachdrücklichst betont werden soll. Daß wir schließlich auch nicht-nationalen jüdischen Vereinen gegenüber keineswegs ablehnend gegenüberstehen dürfen, uns vielmehr ununterbrochen um sie kümmern sollen, halte ich für selbstverständlich. Alle diese jüdischen Vereine können und müssen durch unsere Mitarbeit nach und nach national infiltriert und schließlich uns gewonnen werden. Und nun sei noch kurz unser Verhältnis zu den fremdnationalen Turn- und Sportbehörden skizziert. Dieses Verhältnis kann und wird freundnachbar- Hch sein, wenn diese Korporationen judenrein werden. Es mag diese Behauptung zwar etwas absurd klingen, aber sie entspricht leider den Erfahrungstatsachen und muß ausgesprochen werden, daß wir solange mit einer gewissen, von jüdischer Seite geschürten Gehässigkeit zu rechnen haben werden, bis die Judenreinheit der fremdnationalen Vereine streng und ausnahmslos eingetreten sein wird. Darum muß auch hier die Aufklärungsarbeit einsetzen, insbesondere muß stets darauf hingewiesen werden, daß wir absolut keine nationale Gefahr für die anderen Nationen bedeuten, sondern nur bestrebt sind, auch unserem eigenen Volke ein bescheidenes Plätzchen an der Sonne der Freiheit zu schaffen. In Konsequenz dieses Gedankens aber müssen wir stets auch nationale Anerkennung und Gleichberechtigung verfangen, wenn es sich um die Vertretung unserer Organisation und um die turnerischen und sportlichen Interessen bei den zentralen Sportbehörden handelt.