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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1914-07-01 · 4 (Juli 1914) · p. Seite 115

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
15 (1914)
Issue
4 (Juli 1914)
Date
1914-07-01
Page
Seite 115 (sequence 13)
Language
German
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No. 4 115 halte ich für das beste Mittel, den Zusammenschluß unter den Mitgliedern zu fördern. Vielleicht wäre auch empfehlenswert, daß wir, wie bei den Tschechen, auf d?.m Turnboden das brüderliche „Du“ einführen. Daß dem freundschaftlichen, brüderlichen Verkehre der Kreisvereine untereinander besonderes Augenmerk zugewendet werden muß, ergibt sich aus der Bedeutung des Kreises von selbst. Denn der freundschaftliche Verkehr mit Gleichgesinnten und die damit ermöglichte Bereicherung mit den Erfahrungen der anderen wird nicht nur die Tätigkeit in den einzelnen Vereinen befruchten, sondern er wird auch in sehr willkommener, zweckentsprechender, nachdrücklicher Weise die Existenz unserer Gesamtorganisation betonen. Hierin liegt ]a erst der Sinn unserer ganzen Verband-, respektive Kreisverfassung, daß jeder einzelne unserer jüdischen Turner weiß, daß er und sein Verein In seinem Streben nicht allein dasteht, sondern in allen seinen Arbeiten für die jüdische Volkssache eine starke Organisation als Mitarbeiterin und auch als Rückendeckung besitzt. Je größer und brüderlicher die Organisation sein wird, je fester und inniger die Vereine zusammenstehen werden, desto selbstbewußter wird der ihnen Angehörende seine nationale Pflicht tun können, desto mächtiger wird aber auch die Anziehungskraft der Organisation nach außen hin wirken können. Ich habe mich bisher bemüht, jene Aufgaben unserer Kreisvereine zu schildern, die dazu dienen, die ihnen angehörenden Mitglieder zu national denkenden jüdischen Turnern zu erziehen. Die Jüdische Turnerschaft hat aber nebst dieser Erziehungsaufgabe nach innen auch noch nationale Erziehungsarbeit nach außen zu leisten, sie hat die Pflicht, die jüdische Bevölkerung der Gesamtwelt zur nationalen Einheit zu verbinden Es wird daher die Pflicht unserer Vereins- und Kreisleitungen sein, auch außerhalb ihrer eigentlichen Vereinstätigkeit mit der übrigen, uns fremd oder apathisch gegenüberstehenden jüdischen Bevölkerung Fühlung zu nehmen, dieselbe über unsere Bestrebungen aufzuklären und für weitere Verbreitung und Vertiefung des national-jüdischen Gedankens Sorge zu tragen. Durch mündliche und schriftliche Propaganda werden wir immer neue Kreise in unsere Nationalisierungssphäre heranzuziehen trachten. Broschüren, die nebst einem turnerischen und, sportlichen Teile auch nationale Artikel enthalten, müssen den nationalen ebenso wie den Sinn für Sport und Turnen in die breiten Massen tragen, Wanderredner müssen von Ort zu Ort ziehen nnd dem nationalen Gedanken und unserem auf die körperliche Kräftigung des Volkes gerichteten Programme in allen uns fernstehenden Kreisen Eingang zu verschaffen suchen. Auch große Schauturnen und sportliche Veranstaltungen, die durch ihre Augenfälligkeit auch den für andere Agitationsmittel unzugänglichen Massen die Bedeutung der Jüdischen Turnerschaft und ihren nationalen Wert demonstrieren, müssen als hervorragendes Propagandamittel bezeichnet werden; deshalb wird auch darauf zu sehen sein, daß unsere größeren Turn- und Sportfeste in regelmäßigem Wechsel und in häufiger **°Ige ln allen Städten Westösterreichs mit größerer jüdischer Bevölkerung abgehalten werden. Gelingt es, durch energische zielbewußte Propaganda die großen Massen für unsere Ideen zu erwärmen, dann haben wir über den engen Rahmen der Kleinarbeit unserer Vereine hinaus das weiterliegende Ziel unserer Tätigkeit: die Erziehung unseres Volkes zur nationalen Einheit erreicht.

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