Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 2 (März/April 1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 66 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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66 No. 2 die ihnen zu Gebote stand, und ich spreche hiermit speziell unsern lieben Turnschwestern den Dank aus, daß sie in so großer Zahl die Freiübungen mitturnten und auch bei den Sondervorführungen zeigten, daß ihnen keine Mühe und Plage zu groß war, um unsern Verein zu repräsentieren. Nach Schluß dieses Kreisturnens erwartete uns aber neue Arbeit, wir mußten zu unserem Schauturnen im März mobilisieren, damit auch dieses in einer unserem Vereine würdigen Form stattiinden konnte. Zu meinem Bedauern muß ich nur konstatieren, daß bei den Vorarbeiten des Schauturnens im Jahre 1912 in den Monaten Februar 98, März 102 Turner am Turnboden erschienen, während im heurigen Jahre der Februar 85 und der März nur 80 Turner zu ernster Arbeit brachte. Trotz alledem war der Erfolg dieses Schauturnens in turnerischer Beziehung ein ganz eminenter, da auch hier von unsern lieben Turnschwestern gezeigt wurde, daß sie genau in derselben Zahl, wie im Vorjahre, und mit demselben Interesse sich in den Dienst unseres Vereins gestellt haben, um dieses Schauturnen zu einem glanzreichen zu gestalten. Es ergab sich jedoch ein Defizit von ca. 400 Kronen, welches meiner Ansicht nach nur in der Laxheit unserer Turner lag, da diese mit viel zu wenig Interesse die Leitung des Vereins bei seinen Unternehmungen und insbesondere in der Agitation für den Vorverkauf unterstützten. Es genügt nicht, einfach am Turnboden zu erscheinen, um das Wohl seines eigenen Körpers zu pflegen, denn eine heilige Sache führt uns auf den Turnboden zu engem Anschluß. Wir repräsentieren hier am Turnboden jenen Teil unseres Volkes, der sich regenerieren will, einen Teil des jüdischen Volkes, der sich Kräfte schaffen will, um für spätere Kämpfe gestählt zu sein; dazu gehört auch Zusammengehörigkeit, enges Aneinanderschließen, und dieser enge Zusammenschluß kann nur dann erfolgen, wenn sich jeder einzelne von uns dem Vereinsgetriebe anpaßt, wenn sich jeder einzelne von uns dafür interessiert, was seine Pflicht und Schuldigkeit ist, was jeder einzelne dazu beitragen kann, um den Verein zu heben, damit er nicht stillsteht, damit der Verein nicht zu kämpfen hat um seine Existenz. Ich komme nun wieder auf unser letztes Schauturnen zurück und bemerke, daß unsere Schauturnen nichts gemein haben, mit dem Schauturnen arischer Vereine. Unsere Schauturnen haben einen weit wichtigeren Zweck, das sind keine Schauturnen, sondern das sind Rechenschaftsberichte, die wir dem jüdischen Volke geben. Wir müssen da zeigen, was wir innerhalb eines Jahres geleistet haben, aber nicht nur in turnerischer Hinsicht, sondern wir müssen auch zeigen, daß es uns mit der jüdisch-nationalen Turnbewegung ernst ist; wir müssen beweisen, daß wir gearbeitet haben, daß wir verstanden haben, unsere Reihen zu vermehren, daß wir es verstanden haben, aus unseren jungen Leuten Menschen zu erziehen, deren Körper Oeschmeidlgkeit und deren Arme Kraft besitzen. Und wenn nun von der Vereinsleitun* der Ruf an Euch ergeht, bei einer solch’ schönen Sache mitzutun, zu beweisen, daß das junge kräftige jüdische Volk lebt, existiert und Berechn' gung hat zu existieren! dann muß es Euch wie ein elektrischer Schlag durchzucken und Ihr müßt mit flammender Begeisterung mittun und der Vereinsleitung beweisen, daß es Euch heiliger Ernst ist mit der jüdisch-national6" Turnbewegung. Ich komme nun zum Kongreßschauturnen, welches am 7. »n 8. September stattfand und das da in erster Linie zeigte, daß auch bei un jüdischen Turnerinnen und Turnern eine eiserne Disziplin herrscht. Wer o* an dem so denkwürdigen 7. Septembertage dabei war und die Reihen ftberblickte, die das Junge jüdische Volk repräsentierten und wer die unvergeßliche Rede unseres Verbandsobmannes Greifenhagen hörte, dem mußten dt Augen naß werden ob der Freude, die er empfand, Turner und Turnerinne aus den fernsten Ländern zu sehen, die sich hier zusammengefunden hatten.