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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1914-01-01 · 1 (Januar/Februar 1914) · p. Seite 26

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
15 (1914)
Issue
1 (Januar/Februar 1914)
Date
1914-01-01
Page
Seite 26 (sequence 28)
Language
German
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26 No. 1 Turnen und Sport. Stabhochsprung. Von allen volkstümlichen Uebungen ist der Stabhochsprung wohl diejenige, welche bei Turnfesten und Schauturnen am sichersten auf den Beifall Publikums rechnen darf. Während der Laie die Leistung beim Hochmut Weitsprung, insbesondere aber bei den Würfen, zu unterschätzen geneigt ist, wird ihm schon eine mäßige Höhe von 2,50 Meter, die mit Hilfe des Stabes übersprungen wird, Respekt einflößen. Hinzu kommt, daß ein exakt ausgeführter Stabsprung nach Art der Turner überaus ästhetisch wirkt, und daß die längere Sprungdauer eine genauere Beobachtung gestattet, als etwa beim Hoch^prung. Wenn trotzdem immer wieder Klagen laut werden, daß gar so wenig Turner sich die Mühe geben, diese schöne Uebung zu erlernen, so ist das noch aus einem anderen Grunde zu bedauern. Nur bei wenigen Uebungen ist uns in gleichem Maße die Gewähr einer gleichmäßigen Durchbildung der oberen und der unteren Gliedmaßen geboten. Weder macht eine ausgeprägt? Beinmuskulatur und federnde Sprungkraft allein einen tüchtigen Stabspringer, noch läßt sich ein Mangel dieser Eigenschaften durch Arm- und Rückenkräfte ersetzen. So wird die Uebung geradezu zum Prüfstein, an dem sich die harmonische Ausbildung des gesamten Organismus erweisen muß. Noch eine Tugend aber scheint mir für die Erlernung des Stabsprunges unerläßlich: das ist der Fleiß und die Beständigkeit, die sich durch keinen anfänglichen Mißerfolg abschrecken läßt. Denn die Anforderungen, die hier an die Koordinationsgäbe und den Körper des Turners gestellt werden, sind nicht gering. Dafür aber ist die Genugtuung und das Frohgefühl, eine besondere Höhe mit elegantem Satze genommen zu haben, aber auch ein schöner und vollwertiger Lohn. Gar vieles muß bedacht, erlernt und richtig durchgeführt werden, um einen schönen Stabsprung zustande zu bringen: ein sicherer Anlauf, der rechte Griff der Hände, das Einsetzen des Stabes, das Hinausdrücken zur Fahne, die Wende über die Schnur, und endlich der sichere Abgang mit Rückwerfen des Stabes aus beträchtlicher Höhe. Wer den Sprung nach Turnerart ausführt, der wird bald merken, daß eine straffe und korrekte Haltung nicht nur wegen der ästhetischen Wirkung geboten erscheint, sondern daß auch die Sicherheit des Sprunges unter jeder Abweichung leiden muß. Der turnerische Sprung wird auch jeden, in dem das rechte Zeug zum Stabhochspringer steckt, befähigen, die in der Weltturnordnung vorgesehene Höchstpunktzahl zu erreichen.' Wer 'den Stabhochsprung aber unter sportlichem Gesichtspunkt betreibt, dessen Ehrgeiz geht weit über die 3-Meter-Qrenze hinaus, und die Leistungen seiner Vorbilder nähern sich der 4-Meter-Grenze. Um einige Zentimeter mehr der erreichten Höhe verzichtet er gern auf jede Straffheit in der Ausführung und auf einen korrekten Niedersprung. Für ihn stell* sich die Aufgabe ganz anders dar, und er wird andere Wege suchen und finden, ihr nachzukommen. Es ist ohne weiteres klar, daß ein Körper, der mit zwei Punkten an einer Graden festgelegt ist, in seiner Bewegungsfreiheit auf eine Drehung um eben diese Grade als Achse beschränkt ist, während ihm bei der Befestigung an nur einem Punkt die mannigfachsten Möglichkeiten offen

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