Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 15 (1914)
- Issue
- 1 (Januar/Februar 1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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22 No. 1 Nach einleitenden Begrüßungsworten des Vorsitzenden ergriff Herr Fritz Bernstein das Wort zu einem Lichtbildervortrag „Jüdische Künstler", der sehr instruktiv war und vielen Beifall fand. Die von Frl. Schnittkin glänzend gespielte „Rapsodie Hebraike“ von l-ewandowski leitete nun sehr stimmungsvoll zu dem bunten Teil des Nachmittags über, in dem in zwangloser Reihenfolge in gewohnter Meisterschaft Frau Gans und Herr Oberkantor Lilienthal Liedervorträge und Herr Salberg vom Stadttheater Rezitationen von Morris Rosenfeld, Bialik und Salis brachten, während die erste Riege unter Leitung des Herrn Wohf schwierige Tisch- und Stuhl-Gruppen stellte und Herr Brüll ein außerordentlich kunstvolles Keulenschwingen zeigte. Alle Darbietungen wurden von den zahlreich Erschienenen mit großem Beifall auf genommen, und der Turnverein kann mit dem Erfolg dieser außerordentlich gelungenen Veranstaltung sehr zufrieden sein. M. S. Prag J'. T.-V. Der neugewonnene Saal im Volkspalais wurde am 16. Dezember 1913 durch einen Vortrag des Obmannes, H Ing. Emmerich Hoffmann, „Warum sind wir jüdische Turner?“ und durch ein Schauturnen der Musterriegen eröffnet. Die Uebüngen der Damen, Frei- und Barrenübungen, waren von Tb. Tutsch eingeübt worden und1 wurden unter Tb. Hayek, welcher auch die Stabübungen der Männer leitete, ausgeführt. Das Geräteturnen der Männer, Reck und Barren, oblag mit Erfolg Tb. Bobasch. Die Eröffnungsfeier wurde zur freudigen Ueberraschung zugleich Abschiedsfeier. Am selben Abend erhielt der J. T.-V. vom Stadtrat die günstige Erledigung des Gesuches um Ueberlassung eines Turnsaales ln einer öffentlichen Schule. Es ist dies das Ergebnis einer fast zehnmonatlichen, intensiv und zielbewußt durchgeführten Aufklärungsarbeit bei den Führern der „Sokoln“, den Stadträten und den Referenten. Es galt zu beweisen, daß der J. T. V. nicht deutsch ist, — so wie die deutsch-liberalen Juden Prags, — dabei hat der Hinweis auf die Einführung der hebräischen Kommandosprache eminent gute Dienste geleistet, — daß er nicht klerikal ist, — so wie die „Orlovd“, eine katholische Turnorganisation, — und daß er keine politische Tendenzen, — so wie die sozialdemokratische Turnerschaft, — vertritt. In fast 30 Unterredungen mit tschechischen Größen mußte der rein jüdisch-nationale Charakter unserer Turnerschaft bewiesen werden. Diese Informationsarbeit hat mit bewundernswerter Ausdauer Herr Max Hoffmann durchgeführt. Kaum war die Bewilligung erteilt, setzte in mehreren Tagesblättern eine Hetze gegen den Stadtrat und die Jüdische Turnerschaft ein, sogar in Leitartikeln wurden beide angegriffen. — Der J. T. V. turnt an vier Abenden der Woche und jeden Sonntag vormittag und zwar je zweimal die Damen-, Männer- und Knabenabtlg. und einmal die Frauenab’tlg., insgesamt neun Riegen. In Vorbereitung ist die Mädchenriege. Am Sonntag findet regelmäßig unter Leitung des Tb. Hayek eine V o r t u r n e r s t u n d e für Männer statt und unter Tb. Tutsch für Damen. Die Frauenabteilung ist eine Gründung des letzten Monats; Vorturner ist der frühere Vorturner der iJamenabtlg- Tb. Saphir. Zum Kreisturntag in Wien wurde Tb. med. Fritz Fischl entsandt. . Am 28. Dezember turnte die Musterriege des J. T. V. bei der Makkabäerfeier in Teplitz-Schönau. Die neun Turner, welche Stabübungen mit Musik unter Leitung Tb. Hayek und Reck und Barren unter Tb. Bobascn turnten, waren durch ihr turnerisches Können und ihr jüdisches Bekenntnis Gegenstand großen Beifalls. Es ist das erste Mal, daß jüdische Turner in Böhmen nach der Provinz fahren, um durch ein Schauturnen den Sinn für.