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Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport · 1913-12-01 · 8 (Dezember 1913) · p. Seite 270

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Journal
Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
Volume
14 (1913)
Issue
8 (Dezember 1913)
Date
1913-12-01
Page
Seite 270 (sequence 36)
Language
German
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270 No. 8 staunen die Begeisterung konstatieren, die ein Sport auf Millionen von Menschen ausübt; die während der Endkämpfe jedes andere Moment im Leben eines modernen Kulturvolkes beiseite schiebt zugunsten eines Spieles, das nicht nur Jünglinge in Atem hält, die durch eigene Sportlust am Baseball interesisert sind, sondern überhaupt die ganze Nation, Jung und Alt, Männer und Frauen. Man mag in Europa Begeisterung entwickeln, wenn z. B. in Deutschland ein großes Turnfest abgehalten wird, wenn den Spanier Stiergefechte in die Arena ziehen, wenn in England das Derby eine Wettsucht erregt, der Niemand widersteht, nichts aber kann mit der Baseballserie verglichen werden, die Anfangs Oktober zwischen den beiden besten Mannschaften Amerikas ausgetragen wird um die Ehre und — den materiellen Erfolg der Weltmeisterschaft. Das alte Griechenland hat seinen Nationaltag an den olympischen Spielen gehabt, für Rom waren die Qladiatorenkämpfe Volksfeiern, una doch würden diese Heroentage des Altertums vor der Begeisterung erblassen, deren ein 100 Millionenvolk im vergangenen Oktober fähig war. Und doch waren andere wichtige Momente genug vorhanden, die gerade jetzt die Vereinigten Staaten stark bewegten: das Inkrafttreten des neuen demokratischen Tarifs, die Mexiko- und die japanische Frage, die Fertigstellung des Panamakanals, die Verhandlungen gegen den angeklagten Gouverneur ins großen Staates, die bevorstehende Mayorswahl in New York und — der Thawskandal. Aber alle diese Fragen traten zurück, mußten von den Zeitungen nebenbei, auf der zweiten und dritten Seite behandelt werden; denn Jedermann wollte zunächst den Ausgang der „Weltserie“ erfahren. Hunderttausende zogen vor die Redaktionen der Zeitungen, rissen sich um die Extrablätter; in den Bureaus und Ateliers wurde die Arbeit eingestellt und beneidet wurden die Olücklichen, denen es möglich war, den Spielen an den Nachmittagen beizuwohnen, mochten sie auch vom Abend des vorangegangenen Tages vor den Toren des Spielplatzes gewartet oder von Spekulanten in die Höhe getriebene Preise von 10 und 15 Doll, dafür gezahlt haben. Baseball ist ein Rasenspiel, das während der Sommermonate hier von allen Sportklubs getrieben wird, und das merkwürdigerweise auf die Vereinigten Staaten beschränkt geblieben ist. Kaum hat der Jüngste die Schwelle der Schule überschritten und die erste Bekanntschaft geschlossen, da wird auch schon ein Baseballteam gebildet; und wenn es auch nicht gleich ein vollständiges Team ist, zu dem 9 Mann gehören, und wenn auch der nötige Sportplatz nicht gleich vorhanden ist, so bieten doch die Straßen und öffentlichen Plätze genügend Raum, um die als Vorbedingung unbedingt notwendige Kunst des Ballwerfens und Fangens zu lernen. Früh im Frühjahr, kaum daß die Sonne etwas wärmer scheint, kommen die Scharen hinaus und üben die durch die Wintermonate ungelenk gewordenen Qlieder. Es ist fast gefährlich, sich an solchen Tagen auf der Straße aufzuhalten, wenigstens glaubt der Fremde, jeder zweite Ball müßte ihm ins Auge gehen. Das Ballwerfen geschieht indessen so geschickt und das Fangen so kunstgerecht, daß nur selten einmal ein Ball sein Ziel verfehlt. Die einstündige Lunchpause bietet dem Clerk und dem Arbeiter eine günstige Zeit, mit einem Kollegen in der frischen Luft etwas zu üben. Die linke Hand mit einem gut gefütterten großen Lederfausthandschuh geschützt und damit den Ball auffangend, wirft die Rechte ihn in möglichst gerader Linie und mit voller Wucht nach dem

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