Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Journal
- Jüdische Monatshefte für Turnen und Sport
- Volume
- 14 (1913)
- Issue
- 5 (Juni/Juli 1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 161 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 5 161 ostwinde — über die Bahnlinie Jaffa—Jerusalem hinauf nach Gezer, einem der wichtigsten Pässe für den Anstieg nach Jerusalem. Wir sahen die gewaltigen Höhlen, die einst den Makkabäern zur Zufluchtstätte gedient hatten, and den Boden, den demnächst wieder jüdische Hände j jÄärbeiten sollen, ln Hulda besichtigten wir die Farm des jüdischen Nati'onabFonds, ließen uns von dem sich uns in liebenswürdiger Weise zur VerfüguijS'Stellenden Leiter, Herrn Agronom Wilkanski, durch den Herzlwald führen, über Oelbäumkultur belehren, und pflanzten selber einen Oelbaum zum Andenken an unsere Fahrt. Dann ging es mit der Bahn nach Jerusalem. Ich kenne keinen Ort, der von Ferne einen ähnlichen Eindruck hervorruft, wie Jerusalem, mit seinen durchweg aus blendend weißen Juragesteinüuadern erbauten Häusern, seinen Kuppeldächern, zahlreichen Kirchen, Türmen und Minaretts, seiner gewaltigen, trotzigen Mauer. So oft es nur möglich war, gingen oder ritten wir auf Eseln zum Oelberg, um vom Turme des russischen Archimandriten aus auf die Stadt hinabzublicken, zumal wenn bei Sonnenuntergang sich jene eigenartige Farbenstimmung, wie wir sie nur in Palästina sehen, bemerkbar macht, und von jedem Minarett der Muessin mit klagender Stimme zürn vorgeschriebenen Gebet ruft. Um so peinlicher Wurde uns der Gang durch die Innenstadt, die baufälligen, engen und von schinutz starrenden Straßen, der Anblick der Tempelmauer. Wenn auch naturgemäß die historischen Altertümer Jerusalems unser Interesse vielfach in Anspruch nahmen, so war es doch in erster Linie das moderne jüdische Leben der palästinischen Hauptstadt, daß wir in Augenschein zu nehmen und — soweit es die schwer zu übersehenden Verhältnisse auf der einen und unser kurz bemessener, kaum achttägiger Aufenthalt auf der anderen Seite zuließen — zu verstehen trachteten. Wir besuchten die Viertel der armen marokkanischen, der ungarischen, der polnischen Juden, wir gingen zu den reichen Bucharern. Unvergeßlich wird mir der Besuch beim Kabbi der Jemeniten sein, der uns in formvoller Weise aufnahm und sich cbhaft nach den Verhältnissen der deutschen Juden erkundigte. Das Erfreulichste war der Abend bei den Makabim, den jüdischen Urnern Jerusalems. Der Verein hat es in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits von 90 auf etwa 300 Mitglieder gebracht und turnt in mehreren Abteilungen, von denen eine 30 Mädchen umfaßt, während eine ändere aus 30 Jeschiwah-Schülern besteht, die sich ohne Wissen ihres webben und ihrer Angehörigen zum Turnen zusammengeschlossen haben. °r aHem verdient aber der Turneifer der Seminaristen der Lehrerbildungsänstalt des Hilfsvereins rühmende Erwähnung. Wir sahen in Jerusalem die uinerisch besten Leistungen von ganz Palästina. Alle Achtung vor dem anne, der trotz aller Schwierigkeiten, trotz des Mangels einer geeigneten uinhalle (man turnt in der mit Steinfließen ausgelegten Aula!) durch rastlose rbeit allein in kurzer Zeit solches zustande gebracht hat. Die Uebungen am arren und Springei könnten auf jedem europäischen Turnboden gezeigt wälfen Un^ weisen — bei der vielleicht allzu großen Schwierigkeit der gealten Uebungen — eine tadellose Exaktheit auf. Wir jüdischen Turner a 'en -allen Anlaß, auf Goldsmid stolz zu sein. Wir wollen ihm wünlen. daß sich seine Hoffnung auf Errichtung einer Turnhalle und auf ranziehung von jungen turnerisch modern geschulten Kräften erfüllen wird, ei ti ^anKe* an fähigen und turnerisch genügend durchgebildeten Vermieltern schfeitit uns die Schwäche der palästinischen Turnsache zu sein.